Wirklich KI-generiert? Wenn Wissen, Erfahrung und Persönlichkeit drinstecken
Artikel vorlesen lassen
Auf LinkedIn tauchen sie immer wieder auf: Posts, die KI-unterstützte Texte pauschal verurteilen. Dabei stellt kaum jemand die eigentliche Frage: Ab wann ist ein Text überhaupt noch KI-generiert, wenn dahinter echtes Wissen, Erfahrung und eine klare Persönlichkeit stecken?
Auf LinkedIn tauchen sie immer wieder auf: Posts, die vor KI-generierten Texten warnen. Nicht in Wellen, nicht als koordinierte Kampagne. Einfach immer mal wieder. Pauschal, ohne Differenzierung, oft mit einem Unterton, der klingt wie: Wer KI nutzt, schummelt.
Ich lese die und denke jedes Mal dasselbe. Aber kaum jemand stellt die eigentliche Frage. Wann genau ist ein Text eigentlich KI-generiert?
Die Frage, die niemand stellt
Nehmen wir an, jemand sitzt zwei Stunden vor dem Bildschirm. Er entwickelt eine These, die auf zehn Jahren Berufserfahrung basiert. Er schreibt Prompts, die seine Zielgruppe, seinen Stil, seine Tonalität, seine Haltung abbilden. Er liest jeden generierten Satz durch, streicht, ergänzt, formuliert um. Er steht am Ende zu hundert Prozent hinter dem Text.
Ist das KI-generiert?
Oder ist das ein Autor, der ein Werkzeug benutzt?
Die Pauschalverurteilung auf LinkedIn trifft beide Fälle gleich. Das ist das Problem.
Wie ich selbst angefangen habe
Ich war am Anfang nicht besser. Als ChatGPT den ersten Hype ausgelöst hat, habe ich Texte generieren lassen wie viele andere auch. Einfach Thema rein, Text raus. Das Ergebnis war schnell, bequem und irgendwann auch erkennbar.
Nicht weil die KI schlecht war. Sondern weil alle dasselbe gemacht haben. Die gleichen Formulierungen tauchten überall auf. Der gleiche Rhythmus, die gleichen Floskeln, das gleiche generische Mittelmaß.
Ich habe dann begonnen, alte Texte von mir analysieren zu lassen. Nicht inhaltlich, sondern auf Stil, Wortwahl und Grammatik. Schon das hat viel gebracht. Aber der eigentliche Durchbruch kam erst mit der Markenkompass-Methode.
Was ein Markenkompass wirklich ist
Ein Markenkompass ist kein Stilguide im klassischen Sinne. Es geht nicht nur darum, wie du schreibst. Es geht auch darum, wen du ansprichst, welche Probleme du kennst, welche Sprache deine Zielgruppe spricht, welche Floskeln du vermeidest, welche Haltung du zu deinem Thema hast.
Mein Markenkompass enthält beides: meine Stimme und das Profil meiner Zielgruppe. TYPO3-Integratoren, die wissen, dass sie sich weiterentwickeln müssen, aber oft nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Diese Kombination ist es, die einen Text zu meinem Text macht, auch wenn eine KI die Tasten betätigt hat.
Ein Teilnehmer meines Markenkompass-Workshops hat das gut auf den Punkt gebracht: "Der Markenkompass hat mir eine neue Tür in Richtung kontrollierte KI-Nutzung geöffnet. Schon die ersten Tests zeigen, wie Texte näher an meinen eigenen Schreibstil kommen."
Kontrolliert ist das entscheidende Wort.
Was hinter der Kritik steckt
Die Posts kommen nicht aus dem Nichts. Wer schon mal KI-generierten Text ohne jede Nachbearbeitung gelesen hat, versteht den Frust. Immer gleicher Rhythmus, immer gleiche Struktur, austauschbare Formulierungen, die nach niemandem klingen. Das gibt es. Das ist ein echtes Problem.
Nur steckt hinter mancher Kritik auch etwas anderes: die Angst vor Entwertung. Wenn jeder in Minuten Texte produzieren kann, was wird dann aus denen, die das jahrelang gelernt haben? Das ist eine berechtigte Frage. Aber die Antwort darauf ist nicht, das Werkzeug zu verteufeln.
Wo die Grenze liegt
Ein Schreiner, der eine CNC-Fräse benutzt, ist kein schlechterer Schreiner. Er entwirft das Stück, kennt das Material, entscheidet über die Qualität, trägt die Verantwortung. Die Maschine führt aus. Der Mensch bestimmt.
Ich mache keinen Hehl daraus: Ohne Leitplanken ist KI-generierter Text oft tatsächlich austauschbar. Wer einfach ein Thema eingibt und nimmt, was zurückkommt, bekommt einen Text ohne Persönlichkeit, ohne echtes Wissen und ohne Haltung. Das ist das Problem, über das viele auf LinkedIn schreiben.
Nur trifft die Kritik eben nicht alle.
Wenn viel eigenes Wissen, viele Jahre Erfahrung und eine klare Stimme in den Prozess einfließen, wenn der Text hinterher geprüft, überarbeitet und freigegeben wird, wenn ich dahinter stehe wie hinter allem, was ich veröffentliche, dann ist die Frage nach dem Werkzeug zweitrangig.
Kein Text geht ungelesen raus. Das gilt für alles, was ich veröffentliche.
Der Aufwand zählt
Es gibt noch einen Aspekt, der in der Diskussion fehlt: Zeit.
Der Artikel, den du gerade liest, ist im Interviewformat entstanden. Ich wurde gefragt, was mich an der Kritik stört, wie ich selbst angefangen habe, wo für mich die Grenze liegt, was ich spontan antworten würde, wenn jemand meinen Text als KI-Müll bezeichnet. Das hat Zeit gekostet. Nachdenken, antworten, prüfen, freigeben.
Wer drei Stunden am Prompt, an der Überarbeitung und am Feinschliff sitzt, hat kein KI-generiertes Ergebnis. Er hat ein eigenes Ergebnis, das mit KI umgesetzt wurde.
Die Frage, die ich stellen würde
Wenn jemand einen meiner Texte als KI-generierten Müll bezeichnet, würde ich ihn fragen: Woran machst du das fest?
Nicht aus Trotz. Sondern weil die Antwort interessant wäre. Was genau verrät, ob ein Text von einer KI getippt wurde oder von einem Menschen? Der Stil? Die Formulierungen? Die Substanz?
Wenn die Substanz fehlt, stimmt die Kritik. Wenn sie da ist, trifft sie ins Leere.
KI schreibt den Text nicht. KI tippt ihn nur.
Das ist der Satz, der für mich diese ganze Diskussion zusammenfasst.
Die Idee kommt von dir. Das Wissen kommt von dir. Die Zielgruppe kennst du. Die Haltung ist deine. Die Verantwortung trägst du.
Wer das alles mitbringt und KI als Werkzeug einsetzt, ist genauso Autor wie jemand, der mit Word schreibt, einem Diktiergerät spricht oder Sätze auf einem Notizblock skizziert, bevor er sie ins Reine schreibt.
Das Werkzeug macht den Text nicht. Der Mensch dahinter macht ihn.
ZurückDu hast eine Frage oder willst das Thema diskutieren?
Im Community Hub für TYPO3 kannst du dich mit anderen TYPO3 Anwendern austauschen. Und wenn du keine neuen Artikel verpassen willst: Der TYPO3 Newsletter kommt einmal im Monat, ohne Spam.