5 Wörter, die dich im Kundengespräch schwach wirken lassen
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Technisch top, aber im Gespräch zu weich? Fünf Formulierungen, die Freelancer und Dienstleister ständig benutzen und die den wahrgenommenen Expertenstatus untergraben.
Du bist der Experte. Klingst du auch so?
Du kannst TYPO3 im Schlaf konfigurieren. Du weißt, wie Sitepackages aufgebaut werden, wie Deployments sauber laufen, wie man ein Upgrade plant. Technisch macht dir so schnell keiner was vor.
Aber dann sitzt du im Kundengespräch. Und sagst Dinge wie: "Ich schau da gerne mal drüber." Oder: "Der Stundensatz liegt bei 120 Euro, passt das so für euch?"
Und genau in dem Moment passiert etwas: Deine fachliche Kompetenz verliert an Gewicht. Nicht weil du weniger kannst. Sondern weil deine Sprache etwas anderes signalisiert, als du eigentlich bist.
Fünf Formulierungen tauchen im Alltag von Freelancern und Dienstleistern immer wieder auf, ob solo oder in einer Agentur. Sie klingen harmlos, höflich, professionell sogar. Aber sie untergraben deinen Status als Experte. Schleichend, unbewusst, aber spürbar.
1. "Ich schau da gerne mal drüber"
Das Wort "gerne" ist ein soziales Schmiermittel. Im Alltag, unter Kollegen, im lockeren Austausch: völlig in Ordnung. Aber in dem Moment, in dem du dem Kunden eine Lösung anbietest, nimmt es deiner Aussage die Kraft.
"Ich schau da gerne mal drüber" klingt nach einem Gefallen, den du tust. "Ich schau mir das an" klingt nach einem Experten, der seinen Job macht.
Der Unterschied ist subtil, aber er verändert die Wahrnehmung. Nicht bei jedem Satz und nicht in jeder Situation. In Angeboten und formellen Kontexten taucht das Wort kaum auf. Aber im Support, in Slack-Nachrichten, in kurzen Abstimmungen rutscht es ständig rein. Aus reiner Höflichkeit. Genau deshalb fällt es nicht auf.
Statt: "Ich kann mir das gerne mal anschauen."
Besser: "Ich schau mir das an und melde mich bis morgen."
2. "Passt das so für euch?"
Rückversicherungsfragen sind der Klassiker bei Preisverhandlungen. "Mein Stundensatz liegt bei X Euro, ist das okay?" Oder: "Da sind wir dann bei einem Festpreis von X Euro, passt das so?"
In dem Moment, in dem du fragst, ob dein Preis "okay" ist, gibst du die Kontrolle ab. Du signalisierst: Ich bin mir selbst nicht sicher, ob das angemessen ist. Und der Kunde wird diese Unsicherheit aufgreifen, bewusst oder unbewusst.
Dabei ist die Ausgangslage klar: Der Kunde kommt zu dir, weil er ein Problem hat, das er selbst nicht lösen kann. Er vertraut darauf, dass du weißt, was du tust. Er erwartet eine souveräne Einschätzung, keinen Vorschlag zur Diskussion.
Bei technischen Empfehlungen passiert das interessanterweise viel seltener. Wenn du sagst "Wir brauchen hier ein eigenes Sitepackage", fragt kaum ein Integrator hinterher "Ist das okay?". Die Unsicherheit zeigt sich vor allem da, wo es ums Geld geht.
Statt: "Der Stundensatz liegt bei 120 Euro, passt das so?"
Besser: "Mein Stundensatz liegt bei 120 Euro."
Punkt. Kein Fragezeichen. Keine Einladung zur Verhandlung. Der Kunde kann trotzdem nachfragen oder verhandeln, das steht ihm frei. Aber du eröffnest diese Runde nicht selbst.
3. "Sorry, dass ich nochmal nachfragen muss"
Grundlose Entschuldigungen sind ein Muster, das eine künstliche Hierarchie erzeugt. Jedes "Sorry" ohne echten Anlass sagt: Ich bin dir etwas schuldig. Ich störe. Ich bin weniger wichtig.
Im TYPO3-Dienstleister-Alltag sieht das so aus: "Entschuldigung, aber ich bräuchte nochmal die Zugangsdaten." Oder: "Sorry, das Update hat etwas länger gedauert als geplant."
Für Rückfragen gibt es fast immer einen guten Grund. Vielleicht fehlt eine Information, die im Meeting untergegangen ist. Vielleicht hat der Kunde die Zugangsdaten schlicht vergessen. Das ist normaler Projektalltag, kein Vergehen, für das man sich entschuldigen muss.
Und ob etwas "länger gedauert hat"? Das kann der Kunde in den meisten Fällen gar nicht beurteilen. Er kennt weder den technischen Aufwand noch die Komplexität. Wer sich entschuldigt, bevor der Kunde überhaupt ein Problem sieht, erzeugt erst das Problem.
Ein wichtiger Punkt: Dieses Muster zeigt sich besonders stark in der Kommunikation mit Kollegen. Im Kundenkontext achten viele bewusst darauf, es zu vermeiden. Aber intern rutscht es ständig durch. "Sorry, dass ich nochmal nerve" ist unter Entwicklern fast schon eine Standardformulierung.
Statt: "Sorry, ich bräuchte nochmal die Zugangsdaten zum Staging-Server."
Besser: "Für den nächsten Schritt brauche ich die Zugangsdaten zum Staging-Server. Kannst du mir die schicken?"
4. Zu viele Fragen, zu wenig Einschätzung
Der Fragequotient beschreibt das Verhältnis von Fragen zu Aussagen in einem Gespräch. Wer nur fragt, gibt nichts von sich preis und übernimmt keine Führung im Gespräch.
Hier muss man allerdings differenzieren: TYPO3-Integratoren sind in der Regel analytische, logisch orientierte Menschen. Im DISG-Modell bewegen sie sich oft im blauen Spektrum: gründlich, faktenbasiert, detailorientiert. Sie brauchen Informationen, bevor sie eine Einschätzung abgeben. Und das ist eine Stärke. Gründlichkeit schützt vor Fehlentscheidungen, und Kunden schätzen es, wenn jemand sorgfältig arbeitet.
Das Problem entsteht erst, wenn du längst genug Informationen hast, aber trotzdem weiterfragst, statt dich festzulegen. Wenn der Kunde beschreibt, dass seine Website nach Änderungen immer noch die alten Inhalte anzeigt, und du nach dem dritten Satz eigentlich schon weißt, woran es liegt, aber noch fünf weitere Fragen stellst, statt zu sagen: "Das ist ein typisches Caching-Problem, das sehe ich regelmäßig. Ich prüfe das."
Der Trick ist nicht weniger Fragen, sondern mehr Aussagen dazwischen. Vor jeder weiteren Frage erst eine Einordnung geben. Das zeigt dem Kunden: Hier sitzt jemand, der mitdenkt. Nicht jemand, der nur Checklisten abarbeitet.
Statt: "Wann tritt das auf? In welchem Browser? Habt ihr schon etwas probiert? Ist das nur im Frontend?"
Besser: "Das klingt nach einem Caching-Problem, das sehe ich regelmäßig bei vergleichbaren Setups. Zwei Fragen noch, dann kann ich dir eine Einschätzung geben."
5. Nach dem Preis sofort die Reaktion scannen
Stell dir folgende Szene vor. Sie ist fiktiv, aber sie könnte so in jedem Besprechungsraum passieren:
Ein Integrator sitzt beim Kunden vor Ort und präsentiert sein Angebot für einen TYPO3-Relaunch. Alles ist vorbereitet: technisches Konzept, Zeitplan, Kostenschätzung. Die Folien laufen durch, die einzelnen Posten werden erklärt. Dann kommt die letzte Folie mit dem Gesamtpreis. Er nennt die Zahl. Und dann passiert es: Er schaut hoch. Sucht Blickkontakt. Wartet auf ein Nicken, ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist. Drei Sekunden Stille. Die fühlen sich an wie dreißig. Erst als der Kunde kurz nickt, spricht er weiter.
Dieses Muster ist schwer greifbar, weil es nonverbal abläuft. Aber der Kunde spürt es. Er merkt, dass sein Gegenüber nach Zustimmung sucht, statt einfach weiterzumachen. Und das verändert die Dynamik: Plötzlich sitzt da nicht der Experte, der sein Angebot präsentiert, sondern jemand, der um Erlaubnis bittet.
Natürlich sollst du nicht blind durch deine Präsentation rasen und ignorieren, wenn der Kunde abschaltet. Aufmerksamkeit für dein Gegenüber ist wichtig. Aber es gibt einen Unterschied zwischen aufmerksamer Kommunikation und dem Bedürfnis nach Bestätigung.
Die bessere Strategie: Zieh deine Präsentation oder dein Angebot durch. Nimm mögliche Einwände vorweg und entkräfte sie direkt. Und gib dem Kunden am Ende Raum für Fragen. Nicht nach jedem Satz, sondern strukturiert und selbstbewusst.
Statt: Den Preis nennen, hochschauen, auf Reaktion warten, Stille aushalten, erst nach einem Signal weitersprechen.
Besser: Den Preis nennen, kurz sacken lassen und dann direkt mit den nächsten Schritten weitermachen: "Das Projekt starten wir mit einem Kickoff-Termin, bei dem wir die Details klären."
Es geht nicht um Wörter. Es geht um Haltung.
Alle fünf Punkte haben einen gemeinsamen Kern: Sie sind Symptome, nicht die Ursache. Die Wörter einfach durch andere zu ersetzen, löst das Problem nicht. Wenn du innerlich unsicher bist, wird das durchscheinen, egal wie perfekt du formulierst.
Aber: Die meisten TYPO3-Integratoren, Freelancer und Agenturinhaber haben sich ihren Expertenstatus über Jahre erarbeitet. Das Wissen ist da. Die Erfahrung ist da. Die Kompetenz ist da. Es geht darum, das auch nach außen zu tragen. Nicht arrogant, nicht laut, aber klar.
Wenn du weißt, was du kannst, und wenn du weißt, dass dein Kunde zu dir kommt, weil er genau diese Kompetenz braucht, dann verschwinden die meisten Weichmacher von selbst. Nicht weil du sie vermeidest, sondern weil du sie nicht mehr brauchst.
Fang nicht bei den Wörtern an. Fang bei der Frage an: Bin ich mir meines Wertes bewusst? Wenn die Antwort ja ist, wird deine Sprache folgen.
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Hi, ich bin Wolfgang.
Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.
Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.
Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.
Meine Teilnehmer nutzen mich als Sparringspartner. Nicht im Sinne von "ruf mich jederzeit an", sondern so: Du kommst mit einem konkreten Problem in die Live-Session, postest deine Frage in der Community oder schaust dir das passende Video an. Und bekommst eine Antwort, die funktioniert, weil sie aus der Praxis kommt.
Als Mitglied im TYPO3 Education & Certification Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.