Fragebogen für Webdesigner

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Klemmbrett mit Checkliste © momanuma - Fotolia.com
Checkliste

Der Beginn eines neuen Webprojektes läuft meistens in dieser oder ähnlicher Form ab: der Kunde nimmt Kontakt zum Webdesigner auf mit dem Wunsch für sich oder seine Firma eine neue Website erstellen zu lassen.

Meistens ist es dann so, dass man als Webdesigner erstens relativ wenig Ahnung vom Fachgebiet der Firma hat und zweitens auch noch keine Vorstellung davon, was der Kunde von seiner Website erwartet. Deshalb steht am Beginn eines Projektes immer ein ausführliches Gespräch mit dem Kunden. In diesem Briefing versuche ich mehrere Sachen herauszufinden, zum Beispiel, was macht die Firma, welche Produkte stellt sie her, welche Zielgruppe hat die Firma. Ab natürlich auch, was sich der Kunde von der Website erwartet, was er damit erreichen möchte, ob er eine Vorstellung vom Aussehen der Website hat und so weiter.

Vielen Kunden sind überrascht, was ich alles von Ihnen wissen will, wo es doch um etwas „so einfaches“ wie eine Website geht. Aber nur mit genügend Informationen kann eine Website erstellt werden, mit der der Kunde am Ende auch glücklich und zufrieden ist.

Da diese Gespräche eigentlich meistens ähnlich ablaufen, habe ich einen kleinen Fragebogen zusammengestellt, den ich mit dem Kunden zusammen durchgehe.

Fragebogen für ein Webprojekt

  1. Um was geht es auf der Website?
    Welche Firma oder Person steht hinter der Site, welche Produkte etc.
  2. Welche Branche?
  3. Was möchten Sie mit der Website erreichen? (Produktverkäufe? Neue Kunden? Anderes?)
    Je nach Ziel der Site kann sich auch das Design und Layout verändern. Ein Shop wird sicher anders aufgebaut als eine reine Informationsseite.
  4. Wen möchten Sie mit der Website erreichen? (Zielgruppe)
    Eine relativ wichtige Frage. Manche Kunden haben eine ganz klar definierte Zielgruppe, andere dagegen eine breitere. Aber die Gestaltung richtet sich oft nicht unwesentlich nach den erwarteten Besuchern.



  5. Welchen Stil soll die Website haben, z.B.
    1. Welche Farbtöne?
    2. Eher harte Kanten und kräftige Farben?
    3. Eher weiche Kanten, sanfte Farbverläufe?
  6. Gibt es schon ein Logo, Hausfarben und Hausschriftarten? (Corporate Identity, z.B. auf Briefbögen, Firmenschildern, Visitenkarten etc.)
  7. Welche Inhalte sollen auf der Website gezeigt werden?
    Soll z.B. ein Firmenportrait vorhanden sein, sollen einzelne Mitarbeiter, einzelne Produkte vorgestellt werden usw.
  8. Sollen Sonderfunktionen auf der Website eingebaut werden, z.B.
    1. ein Kontaktformular
    2. ein Gästebuch
    3. ein Forum
    4. eine Bildergalerie
    5. sonstige Funktionen (z.B. Bereiche für registrierte User, Downloads usw.)
  9. Möchte der Kunde Inhalte der Seite selbst pflegen?
    Wenn ja, bietet sich natürlich der Einsatz eines Content Management Systems an. Dabei muss man aber bedenken, dass der Kunde dann natürlich auch eine Einarbeitung in das System benötigt. Dafür muss man, je nach PC-/Internetkenntnissen des Kunden, mindestens 2-3 Stunden Zeit investieren, evtl. sollte auch ein wenig Schulungsmaterial in Form von Texten oder Videos vorliegen.



  10. Gibt es Websites, die dem Kunden besonders gut gefallen?
    Hier sollte der Kunde einfach 2-3 Seiten nennen, die er gut findet. Dann sollte man nachfragen, was genau an den Seiten gefällt.
  11. Gibt es Websites, die dem Kunden überhaupt nicht gefallen?
    Hier sollten ebenfalls 2-3 Seiten genannt werden. Interessant ist dann natürlich, warum dem Kunden diese Seiten nicht gefallen.
  12. Existiert schon eine Website?
    Manche Kunden haben natürlich schon eine Website. Falls eine vorhanden ist, muss besprochen werden, ob nur das Layout oder auch die Inhalte oder die gesamte Struktur neu gemacht werden soll.
  13. Falls ja, wer hat die bisherige Website erstellt?
    Diese Angabe ist natürlich nützlich, wenn man die Zugangsdaten für den Webserver etc. benötigt. Es ist überraschend, wie viele Kunden diese Angaben vom früheren Webdesigner nicht erhalten haben.
  14. Warum übernimmt der bisherige Webdesigner nicht die weitere Bearbeitung der Seite?
    Aus der Antwort auf diese Frage kann man unter Umständen auch eine Menge über den Kunden erfahren 😉

  15. Welchen Umfang wird die Website voraussichtlich haben? (Unterseiten)
    Eine für mich sehr wichtige Angabe. Spätestens hier muss sich dann der Kunde auch Gedanken über die Struktur der Seite machen.
  16. Hat sich der Kunde schon eine Navigationsstruktur überlegt?
    Diese Frage hängt natürlich mit der vorherigen Frage eng zusammen. Aber hier lässt sich dann vielleicht schon im ersten Gespräch mit dem Kunden eine Skizze des Strukturbaums erstellen, aus dem auch ersichtlich wird, wie einzelne Unterseiten zusammengehören. Es lassen sich dadurch gut einzelne Bereiche einer Seite definieren, denen dann Unterseiten zugeordnet werden.

Das sind also die Fragen, die ich gleich zu Beginn eines Projektes mit dem Kunden bespreche.

Sicher gibt es noch mehr, was man fragen kann. Viele Fragen kristallisieren sich auch erst im Laufe des Projektes heraus. Aber ich denke, dass sich damit eine gute Ausgangsbasis auch zur Angebotserstellung finden lässt.

Wie handhabt ihr das bei euren Projekten? Stellt ihr möglicherweise noch mehr Fragen?
Über eure Meinung würde ich mich freuen!

20 Gedanken zu “Fragebogen für Webdesigner”

  1. Schöner Fragebogen, man liest da schon recht viel Erfahrung raus.
    An 10+11 habe ich bisher nie gedacht und ich denke das gerade diese Angaben sehr gewichtig sind.
    Vieles lässt sich ja davon ableiten.
    Bei 1+3 freue ich mich schon sehr wenn ich da überhaupt mal eine sinnvolle Antwort erhalte. Die meisten die ich kenne, ob nun Kunde oder nicht, haben sich noch nie Gedanken dazu gemacht wozu die Seite überhaupt gut sein soll.
    Der Standard Spruch „Die anderen haben doch auch eine“

    • Hallo Dennis,

      ja, manchmal sind die Antworten auf Frage 10 allerdings auch sehr verwirrend. Mir wurden da schon Seiten gezeigt, bei denen ich Mühe hatte, überhaupt irgend etwas gutes daran zu erkennen 😉

      Aber meistens kann man daraus wirklich recht viel über den Geschmack des Kunden erfahren.

      Stimmt, bei Frage 3 bekomme ich nicht besonders oft eine ausfürhliche Antwort 🙂

      Grüße
      Wolfgang

  2. Das kommt mir bekannt vor. Wenn ich beim ersten Gespräch meine Fragen stelle, dann sehe sie mich oft ganz misstrauisch, warum ich das Alles wissen möchte. Sie wollen ja nur eine einfache Website. Aber genau deshalb ist ein umfangreicher Fragebogen ganz wichtig. Der Kunde bekommt so ein Gefühl für die Komplexität einer Website.

    Ich sende meinen Fragebogen immer den Kunden vorab, Damit lässt sich gut erkennen wer wirkliches Interesse hat und wer sich nur mal informieren möchte. Wenn es wen interessiert – hier ist mein Fragebogen: Website Briefing Fragebogen

    Außerdem ist dann gleich klar, dass er sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen muss.

    lg
    Thomas

    • Hi Tom,

      dein Fragebogen geht sogar noch ein wenig mehr ins Detail als meiner. Wie sind deine Erfahrungen mit dem vorab ausfüllen lassen? Verstehen die Kunden immer, was gemeint ist?
      Bisher habe ich den Fragebogen immer zusammen mit dem Kunden im ersten Gespräch ausgefüllt, weil oft doch noch Fragen zu den einzelnen Punkten gestellt werden.

      Gruß
      Wolfgang

  3. Ich habe bisher gute Erfahrungen damit gemacht. Sicherlich versteht der Kunde die eine oder andere Frage nicht. Das wird dann in einem Kundengespräch nachgeholt. Der Kunde als auch ich gehen aber besser vorbereitet in das Gespräch. Ich kann mir vorab ein besseres Bild vom Kunden machen. Ich weiß ungefähr welche Interneterfahrung er hat. Muss ich bei Null beginnen oder kann ich ein paar Sachen voraussetzen. Bei mir kommen die Lösungsvorschläge wie wir eine Website am besten machen nicht auf Kommando. Sprich mir geht es so, dass mir viele Dinge erst nach dem Kundengespräch einfallen. Mit dem Vorab-Fragebogen geht das aber besser.

    lg
    Tom

    • Vielleicht teste ich das beim nächsten Kunden mal und schicke den Fragebogen auch vorher. Wobei ich bis jetzt eigentlich ganz gut damit gefahren bin.
      Aber man soll ja auch öfter mal was neues ausprobieren 🙂

  4. Hy,
    ich finde beide Fragebogen sind super. Ich hatte bis jetzt auch einen Fragebogen der allerdings nicht soviele Punkte hatte. Eigentlich waren nur Funktionen und Webseiten die einem gefallen drine.

    Beim nächsten Kundengespräch werde ich mal deinen Fragebogen testen Tom und die Kundenmeinung hier preisgeben.

    Danke

  5. Guten Tag

    Ich habe mich lange mit einem Fragekatalog für die Webprojektierung auseinander gesetzt und rausgekommen ist der Webkalkulator, der mittlerweile von über 20’000 Nutzern ausgefüllt wurde und über 87% davon finden, dass er ihr Web-Projekt abdeckt. Eventuell kannst du Dir noch ein paar Fragen abschauen.

    Viele Grüsse

    • Das ist ein ziemlich interessantes Tool. Ich habe mal die Daten eines beendeten Projekts eingeben, scheinbar bin ich noch zu günstig 😉

      Aber der Fragebogen dreht sich ja eindeutig um die Kostenberechnung, was damit ja nicht abgedeckt ist, sind Fragen nach dem Design.
      Aber die Seite landet auf jeden Fall in meinen Bookmarks! 🙂

  6. Danke! Stimmt der Webkalkulator soll Webdesignern in erster Linie helfen, ein Projekt kommerziell richtig zu positionieren, also steht das Budget im Vordergrund. Hat schon vielen Webdesignern geholfen, ein höheres Budget zu verkaufen.

    Meiner Ansicht nach gibt es zwei Situationen, bei denen Fragebögen zum Einsatz kommen: Vor dem Angebot und nachher. Vorher stehen Was-Fragen im Zentrum, nachher Wie-Fragen. Der Webkalkulator-Fragebogen ist ein Vorher-Fragebogen.

    • Wobei ich bei der Abschätzung des Aufwands auch die grafische Gestaltung mit einbeziehen muss. Eine grafisch aufwenidge Seite erfordert natürlich mehr Arbeit und ist deshalb auch teurer als eine simple, schlichte Seite.
      Ich denke, der Webkalkulator in Kombination mit einem Fragebogen, der auf das Design ausgelegt ist, müsste eine gute Kombination sein, um ein reelles Angebot erstellen zu können.

  7. danke, den werde ich mal so übernehmen und mit meinen kunden künftig durchgehen, auch wenn in unseren verträgen auch schon einiges drinsteht, irgendwie kommt es ja immer wieder zu fragen und missvcerständnissen

  8. Erst mal vielen Dank an Wolfgang und Tom für die zur Verfügungstellung (ist das ein Wort?) der Fragebögen. Ich habe gerade ein Gespräch mit einer Kundin gehabt und den Bogen von Tom dabei benutzt. Es wurde ein vier Stunden Gespräch daraus, weil durch die Fragen immer wieder andere Dinge hoch kamen, an die wir so sicherlich nicht gedacht hätten. Zur Vorbereitung habe ich den FB von Wolfgang benutzt, der mir auch schon sehr geholfen hat. Ich hatte mir anhand der Fragen Notizen gemacht, die ich unbedingt anbringen wollte und dadurch nicht vergessen habe.
    Klasse, ich danke euch 🙂
    p.s. den Auftrag habe ich auch bekommen. Die Kundin war begeistert wie gut ich vorbereitet war.
    Viele Grüße, Andrea

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