Wenn der Kunde fragt, ob er bei ChatGPT auftaucht
Artikel vorlesen lassen
Ein Kunde fragt beim Abschlussgespräch, ob seine Website auch bei ChatGPT auftaucht. Was jetzt? Dieser Artikel zeigt, was hinter GEO steckt und warum TYPO3-Integratoren gut aufgestellt sind, wenn sie es wissen.
Der Kundentermin läuft eigentlich gut. Die Anforderungen sind klar, das Budget passt, der Ton stimmt. Und dann, kurz vor dem Ende, sagt der Kunde:
"Ich hätte noch eine Frage. Wenn jemand bei ChatGPT oder so nach meinen Leistungen sucht, also so einer KI, die Empfehlungen ausspricht, dann will ich da auch auftauchen. Ist das möglich?"
Man nickt. Natürlich nickt man.
Irgendwas sagt man, vage genug, um nicht direkt Nein sagen zu müssen. Und dann sitzt man nach dem Termin im Auto und denkt: Was genau hat er gerade gefragt?
Das ist kein Ausnahmefall mehr
Kunden stellen diese Frage immer öfter. Nicht weil sie technisch versiert sind, sondern weil sie ChatGPT, Claude oder Perplexity selbst nutzen und gemerkt haben: Die Antworten dort klingen wie Empfehlungen. Echte Empfehlungen, mit Firmennamen, Produkten, Dienstleistern.
Und sie wollen, dass ihr Unternehmen da vorkommt.
Das ist das Thema hinter dem Begriff GEO, kurz für Generative Engine Optimization. Also die Frage: Wie baut man eine Website so, dass KI-Systeme sie verstehen, einordnen und zitieren?
Die gute Nachricht: Wer als TYPO3-Integrator sauber arbeitet, hat die Grundlagen schon. Die schlechte Nachricht: Viele wissen das nicht.
Was KI-Systeme sehen, wenn sie eine Website analysieren
ChatGPT, Claude und Perplexity greifen auf Webinhalte zu, entweder über ihre eigenen Crawler oder über Suchanbieter wie Bing. Was sie dort sehen, entscheidet darüber, ob sie eine Website zitieren oder ignorieren.
Drei Dinge spielen dabei eine zentrale Rolle.
Semantisches HTML
Ein KI-System liest HTML. Wenn ein <h1> eine Überschrift enthält, eine <nav> die Navigation und ein <article> den eigentlichen Inhalt, dann versteht das System die Struktur der Seite. Es erkennt, was wichtig ist und was Beiwerk.
Wenn dagegen alles in generischen <div>-Containern steckt und Überschriften mit CSS-Klassen simuliert werden, fehlt dieser Kontext. Die Seite ist für Menschen lesbar, aber für Maschinen schwer einzuordnen.
Semantisches HTML ist kein neues Thema. Es ist Handwerk. Aber es wird im Alltag oft vernachlässigt, weil es im Browser keinen direkten Unterschied macht.
Strukturierte Daten
Schema.org-Markup gibt Suchmaschinen und KI-Systemen zusätzliche Informationen. Was macht dieses Unternehmen? Wer ist der Autor dieses Artikels? Wann wurde dieser Kurs das letzte Mal aktualisiert?
Diese Informationen stehen oft irgendwo auf der Seite, aber nicht in maschinenlesbarer Form. Strukturierte Daten bringen sie in ein Format, das direkt ausgewertet werden kann.
In TYPO3 lässt sich das über Extensions umsetzen oder direkt im Sitepackage verankern. Es ist kein Hexenwerk, aber es muss bewusst eingeplant werden.
E-E-A-T und Autorität
E-E-A-T steht für Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness, also Erfahrung, Fachkompetenz, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Ursprünglich hat Google das Konzept als Qualitätskriterium für Suchergebnisse entwickelt. Mittlerweile nutzen auch KI-Systeme ähnliche Signale, um einzuschätzen, welchen Quellen sie vertrauen können.
Hinter dem Begriff steckt die Frage: Wer schreibt das? Hat diese Person Erfahrung mit dem Thema? Ist die Website bekannt und wird sie von anderen zitiert?
Für Integratoren bedeutet das konkret: Autorenseiten mit echten Informationen und eine klare Unternehmensdarstellung auf der Website. Was darüber hinausgeht, also die Erwähnung in Branchenportalen, auf Social-Media-Profilen oder in Fachpublikationen, liegt in der Verantwortung des Kunden. Wie das funktioniert und warum die eigene Website allein nicht reicht, um in KI-Antworten aufzutauchen, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben: Off-Page GEO für TYPO3: Wie du über Drittquellen in KI-Antworten landest. Aber die Website selbst muss die Grundlage liefern, auf der das aufbaut.
Barrierefreiheit und KI-Sichtbarkeit sind zwei Seiten derselben Medaille
Wer kennt das Argument nicht: "Barrierefreiheit kostet Zeit und betrifft uns eigentlich nicht." Das stimmt nicht, aber es ist schwer zu kontern, wenn man keine greifbaren Argumente hat.
Hier kommt ein neues dazu.
Barrierefreiheit setzt semantisch sauberes HTML voraus. Alt-Texte für Bilder, beschriftete Formularfelder, eine logische Überschriftenhierarchie, Inhalte, die auch ohne Kontext verständlich sind. Das ist exakt das, was KI-Systeme brauchen, um eine Seite einzuordnen.
Wer eine Website für Screenreader optimiert, optimiert sie gleichzeitig für KI.
Das versteht der Kunde. Und es rechtfertigt den eigenen Arbeitsaufwand.
Wie das in den Integratoralltag passt
Diese Anforderungen klingen erstmal nach Zusatzaufwand. Das sind sie aber nur, wenn man sie nachträglich einbaut.
Wer von Anfang an sauber baut, hat diesen Aufwand nicht. Das bedeutet: semantisches HTML konsequent nutzen, Content-Elemente so entwickeln, dass der Redakteur die Ausgabe nicht manuell steuern muss, und strukturierte Daten als festen Bestandteil des Sitepackages behandeln.
Der Kundentermin, der mit dieser Frage endet, ist kein Problem. Er ist ein Hinweis darauf, dass Kunden anfangen, die richtigen Fragen zu stellen. Wer die Antworten kennt, hat einen echten Vorteil.
Weiterkommen mit diesen Themen
Wer tiefer in das Thema GEO einsteigen will: Im August halte ich auf den TYPO3 Developer Days in Karlsruhe einen Grundlagen-Talk dazu. Das offizielle Programm ist noch nicht veröffentlicht, aber der Termin steht. Mehr dazu, sobald es so weit ist.
Wer generell als TYPO3-Integrator strukturierter und sicherer arbeiten will, findet im TYPO3 Komplettkurs einen durchgängigen Lernpfad.
ZurückDu hast eine Frage oder willst das Thema diskutieren?
Im Community Hub für TYPO3 kannst du dich mit anderen TYPO3 Anwendern austauschen. Und wenn du keine neuen Artikel verpassen willst: Der TYPO3 Newsletter kommt einmal im Monat, ohne Spam.