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Warum ein WordPress-Infrastrukturprojekt jetzt auf TYPO3 setzt

Warum ein WordPress-Infrastrukturprojekt jetzt auf TYPO3 setzt

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| TYPO3 | Geschätzte Lesezeit : min.

FAIR sollte WordPress unabhängiger machen. Das hat nicht funktioniert. Warum das Projekt jetzt bei TYPO3 eine Zukunft hat.

Ende Februar 2026 haben Karim Marucchi und Joost de Valk einen bemerkenswerten Artikel veröffentlicht. Die beiden gehören zu den bekanntesten Stimmen in der WordPress-Welt. Ihr Thema: Das Ende von FAIR für WordPress. Und der Anfang von FAIR für TYPO3.

Wer die Hintergründe nicht kennt: FAIR ist ein Projekt unter der Linux Foundation. Das Ziel war es, ein föderiertes, gemeinschaftlich verwaltetes Paketmanagement für WordPress aufzubauen. Also eine neutrale Infrastruktur, die nicht von einer einzelnen Person oder Firma abhängt.

Die technische Umsetzung hat funktioniert. Was nicht funktioniert hat: die Finanzierung. Die großen Hoster und Akteure im WordPress-Umfeld wollten nicht investieren. Kein Geld, keine Bereitschaft, kein Risiko. Und ohne diese Unterstützung ist ein solches Infrastrukturprojekt nicht tragfähig.

Was bei WordPress schiefläuft

Ich bin kein WordPress-Experte. Ich habe das Drama um Leitungsstrukturen und Machtkonzentration in der WordPress-Welt nicht im Detail verfolgt. Aber was Marucchi und de Valk beschreiben, ist im Kern simpel: Bei WordPress hat eine einzelne Person sehr viel Einfluss auf zentrale Infrastruktur und Entscheidungen. Und wenn diese Person Entscheidungen trifft, die der Gemeinschaft schaden, gibt es kaum wirksame Kontrollmechanismen.

Marucchi und de Valk schreiben selbst, dass sie Matt Mullenwegs Methoden für schädlich halten. Gleichzeitig räumen sie ein, dass sein Kernargument berechtigt ist: Viele Firmen verdienen sehr gut an WordPress, tragen aber wenig zur Infrastruktur bei.

Das Ergebnis: Ein System, das wirtschaftlich riesig ist, aber strukturell fragil.

Warum FAIR jetzt auf TYPO3 setzt

Der spannende Teil des Artikels kommt am Ende. FAIR wird beim CloudFest Hackathon auf TYPO3 ausgerichtet. Die TYPO3-Gemeinschaft und die technische Leitung sehen den Wert eines föderierten Paketmanagements und wollen das Projekt weiterentwickeln.

Warum funktioniert das bei TYPO3, was bei WordPress gescheitert ist?

Aus meiner Sicht liegt der Unterschied in der Struktur. TYPO3 hat die Association, die GmbH, einen Vorstand, das Business Control Committee. Keine einzelne Person hat die alleinige Entscheidungsmacht. Die Verantwortung ist verteilt. Und genau das macht den Unterschied, wenn es um Infrastruktur geht, die allen gehören soll.

Ein föderiertes Paketmanagement braucht Vertrauen. Vertrauen entsteht durch transparente Strukturen und geteilte Verantwortung. Beides bringt TYPO3 mit.

Digitale Souveränität ist kein abstraktes Thema mehr

Es gibt noch einen zweiten Aspekt, der das Ganze aktuell macht. Marucchi und de Valk erwähnen, dass digitale Souveränität in Europa ein heißes Thema ist. Eigene Paketmanagement-Server betreiben zu können, unabhängig von einzelnen Anbietern oder Ländern, ist kein theoretisches Szenario mehr.

Gerade in einer Zeit, in der geopolitische Abhängigkeiten neu bewertet werden, ist es ein echter Vorteil, wenn ein europäisches Open-Source-Projekt seine Infrastruktur selbst kontrollieren kann.

Mein eigener Weg: Von WordPress zu TYPO3

Ich schreibe das hier nicht als jemand, der WordPress nur vom Hörensagen kennt. Meine eigene Website lief von 2006 bis Ende 2023 mit WordPress. Damals habe ich mit vielen CMS experimentiert, und WordPress war für mich am einfachsten. TYPO3 kannte ich zu dem Zeitpunkt schon, aber der Funke war noch nicht übergesprungen.

Das kam kurz danach. Aber so ist es: Wenn eine Website einmal läuft und funktioniert, ist eine Migration immer Aufwand. Jahrelang hat WordPress für mich funktioniert.

Irgendwann war allerdings klar: Wenn ich mich zu 100 Prozent auf TYPO3 konzentriere und das auch nach außen kommuniziere, dann muss auch meine Website auf TYPO3 laufen. Alles andere wäre nicht glaubwürdig. Zwischenzeitlich hatte ich ein Hybridsystem. Der Blog mit Hunderten von Artikeln lief weiter auf WordPress, die Hauptwebseite war bereits auf TYPO3. Inzwischen ist der WordPress-Blog stillgelegt und neue Artikel erscheinen nur noch auf meiner TYPO3-Seite.

Ich erzähle das, weil es zeigt: Ich bin kein TYPO3-Dogmatiker. Ich habe beide Seiten erlebt. Und gerade deshalb finde ich es bemerkenswert, wenn ein technisch solides Infrastrukturprojekt WordPress verlässt und bei TYPO3 eine Zukunft sieht.

Was das für die TYPO3-Community bedeutet

Wir reden in der TYPO3-Welt oft darüber, was uns fehlt. Weniger Marktanteil als WordPress. Weniger Erweiterungen. Weniger öffentliche Aufmerksamkeit.

Dabei übersehen wir manchmal, was wir haben. Eine stabile Organisationsstruktur. Eine Gemeinschaft, die gemeinsam entscheidet. Und offenbar eine Infrastruktur, die attraktiv genug ist, dass externe Projekte gezielt zu uns kommen.

Das FAIR-Projekt zeigt: Was in der TYPO3-Welt selbstverständlich wirkt, ist es anderswo nicht. Verteilte Verantwortung, transparente Entscheidungswege, eine Organisation, die nicht von einer einzelnen Person abhängt. Das sind keine Selbstverständlichkeiten. Das sind Stärken.

Und vielleicht sollten wir öfter darüber reden.

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Kommentare unter Artikeln sind deaktiviert. Wenn du eine Frage oder Ergänzung hast, schreib mir bitte eine E-Mail.

Hi, ich bin Wolfgang.

Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.

Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.

Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.

Als Mitglied im TYPO3 Education Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.

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