Warum Agenturen ihre Mitarbeiter auf TYPO3 Camps schicken sollten
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TYPO3 Camps sind die günstigste Fortbildung in der Branche. Warum trotzdem viele Agenturen ihre Mitarbeiter nicht hinschicken, und warum das ein Fehler ist.
In den Agenturen, in denen ich gearbeitet habe, war klar: Du gehst auf TYPO3 Camps. Keine Diskussion, keine Bittstellerei, keine Genehmigungsschleifen. Die Kosten wurden übernommen, die Teilnahme wurde erwartet und gefördert. Es gab auch keine Deckelung nach dem Motto "maximal zwei Events pro Jahr". Wer hinwollte, konnte hin.
Seit 2011 nehme ich jedes Jahr an mehreren TYPO3 Camps teil. Und dann treffe ich dort Leute, die auf eigene Kosten da sind. Am Wochenende. Weil ihre Firma nicht mal 150 Euro für ein Camp-Ticket übernimmt.
Dieser Artikel ist die erweiterte Version meines LinkedIn-Posts zum gleichen Thema. Mit mehr Tiefe, konkreten Zahlen, einer Übersicht der TYPO3 Camps 2026 und einer Checkliste, mit der du deinen Chef überzeugen kannst.
Was ist eigentlich ein TYPO3 Camp?
Wer noch nie auf einem TYPO3 Camp war, stellt sich vielleicht eine klassische Konferenz vor. Feststehendes Programm, Vorträge von der Bühne, Zuhörer im Publikum. Das ist ein Camp nicht.
Ein TYPO3 Camp ist ein Barcamp, also eine offene Mitmach-Konferenz. Die Inhalte und der Ablauf werden von den Teilnehmern selbst am Veranstaltungstag festgelegt. Es gibt keine vorher festgelegte Agenda.
Der Ablauf sieht in der Regel so aus:
- Morgens nach dem Frühstück startet die Sessionplanung. Jeder kann ein Thema vorschlagen, zu dem er etwas zeigen oder erzählen möchte. Aber auch Themenwünsche sind möglich: "Ich würde gerne mehr über X erfahren, kann jemand etwas dazu sagen?"
- Dann wird per Handzeichen abgefragt, wer Interesse an welchem Thema hat. Je nach Zuspruch wird ein passender Raum und ein Zeitslot zugeteilt.
- Drei bis fünf Sessions laufen parallel, je nach Größe des Camps. Man sucht sich aus, was einen interessiert, und wechselt zwischen den Slots.
Das Besondere am Barcamp-Format: Man weiß vorher nicht, was drankommt. Themen ergeben sich oft spontan. Jemand hat eine Frage, jemand anders hat eine Antwort, und daraus wird eine Session. Manchmal mit 50 Leuten in einem vollen Raum, manchmal als kleine Diskussionsrunde zu dritt an einem Tisch.
Und dann gibt es noch den Teil, der in keinem Programm steht: die Gespräche in den Pausen, beim Mittagessen, auf dem Social Event am Abend. Da sitzt man zusammen, isst und trinkt etwas, unterhält sich mit Extension-Entwicklern, Core-Entwicklern, Leuten von anderen Agenturen. Man tauscht Ideen aus, diskutiert Projektprobleme, lernt neue Leute kennen.
Diese informellen Gespräche sind oft wertvoller als die Sessions selbst. Das bekommt man bei einem klassischen Workshop nicht.
Was bringt ein Camp konkret?
Aus meiner Erfahrung von über einem Jahrzehnt regelmäßiger Camp-Besuche kann ich sagen: Der Nutzen ist breit und kumuliert sich über die Jahre.
- Lösungen für aktuelle Projektprobleme. Du steckst bei einem Thema fest, erzählst beim Mittagessen davon, und jemand hat genau das letzte Woche gelöst.
- Ideen für Projektumsetzungen. Du siehst in einer Session, wie jemand ein Problem anders angeht als du. Das nimmt man mit und setzt es im nächsten Projekt ein.
- Kontakte, die zu Kooperationen werden. Leute, die man über die Jahre auf Camps kennenlernt, werden zu Partnern. Man vermittelt sich gegenseitig Anfragen, weil man weiß, wer sich womit auskennt.
- Extensions, von denen man sonst nie erfahren hätte. Ein Entwickler zeigt eine Extension, die genau dein Problem löst. Oder du lernst den Entwickler einer Extension kennen, die du bereits nutzt, und kannst direkt Fragen stellen.
- Direkter Draht zu Core-Entwicklern. Auf einem Camp sitzt man mit den Leuten am Tisch, die TYPO3 bauen. Das ist unbezahlbar.
Ein konkretes Beispiel: Auf dem TYPO3 Camp RheinRuhr habe ich vor etwa zwei Jahren in einer Session das Tool Renovate kennengelernt. Renovate überwacht Composer-Pakete in TYPO3-Projekten und meldet verfügbare Updates (Renovate kann noch mehr, aber so nutze ich es momentan). Auf dieser Basis habe ich mir inzwischen mit GitHub Actions ein System aufgebaut, das das Updaten von TYPO3-Projekten extrem vereinfacht. In Verbindung mit Frontend-Testing-Tools wie Playwright sind damit sogar vollautomatisierte Updates möglich. Ohne den Besuch dieser einen Session hätte ich dieses Tool wahrscheinlich nie kennengelernt. Es hat mir in den letzten Monaten unzählige Stunden Arbeit gespart.
Das ist kein einmaliger Glückstreffer. So etwas passiert auf jedem Camp. Manchmal mehr, manchmal weniger. Aber der kumulative Effekt über die Jahre ist enorm.
Der Kostenvergleich: Camp vs. klassische Fortbildung
Hier wird es interessant. Ein TYPO3 Camp kostet in der Regel:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Camp-Ticket (2 Tage, Verpflegung inklusive) | 100 bis 150 Euro |
| Hotel (2 Übernachtungen) | 150 bis 250 Euro |
| Anreise (Bahn/Auto) | 50 bis 200 Euro |
| Gesamt pro Person und Event | ca. 500 bis 600 Euro |
Zum Vergleich:
- Ein TYPO3-Tagesworkshop bei einem kommerziellen Anbieter kostet in der Regel 1.000 bis 1.500 Euro. Für einen Tag, fokussiert auf ein bestimmtes Thema.
- Technologie-Workshops (etwa für AWS oder vergleichbare Plattformen) liegen bei 2.000 Euro für zwei bis drei Tage.
Wichtig ist dabei die faire Einordnung: Ein Workshop ist fokussiert auf ein bestimmtes Thema in einer kleineren Gruppe. Das hat seinen Wert und seine Berechtigung. Ein Camp deckt ein breites Spektrum ab und lebt vom offenen Austausch. Das eine ersetzt das andere nicht.
Aber die Kosten-Nutzen-Rechnung beim Camp ist beeindruckend. Für den Preis eines halben Workshop-Tages bekommt man zwei Tage Wissenstransfer, Networking und Praxisimpulse.
Die Gegenargumente und warum sie nicht halten
"Der Mitarbeiter fehlt im Tagesgeschäft"
Die meisten TYPO3 Camps finden am Wochenende statt. Samstag und Sonntag, manchmal Freitag und Samstag. Im schlimmsten Fall fehlt ein Mitarbeiter einen Tag für die Anreise. Wenn das zwei- bis dreimal im Jahr vorkommt, ist das eine lächerliche Investition in Fortbildung.
Und ja: Während einer Fortbildung kann man nicht produktiv an Projekten arbeiten. Das gilt für jede Form von Weiterbildung, ob Camp, Workshop oder Online-Kurs. Die neuen Impulse, Techniken und Kontakte kompensieren den Ausfall aber mehr als genug.
"Der Mitarbeiter könnte abgeworben werden"
Dann stell dir eine unbequeme Frage: Wenn sich ein Mitarbeiter auf einem Camp so schnell für eine andere Agentur entscheidet, liegt das am Camp? Oder liegt es an der Firmenkultur, am Führungsstil, an der Wertschätzung?
Es lohnt sich, hier ehrlich zu sein: Wenn Mitarbeiter die Community kennenlernen und sehen, wie andere Agenturen arbeiten, ist das kein Risiko. Es ist ein Realitätscheck. Wer als Arbeitgeber davon profitiert, dass die eigenen Leute keinen Vergleich haben, sollte sich fragen, ob das wirklich die Grundlage ist, auf der man ein Team halten will.
"Die Kosten sind zu hoch"
500 bis 600 Euro pro Person und Event. Inklusive Verpflegung, Networking und zwei Tagen Wissenstransfer. Wenn sich eine Agentur das nicht leisten kann, hat sie ganz andere Probleme als die Frage, ob sie Mitarbeiter auf Camps schicken soll.
Stimmen aus der Community
Der LinkedIn-Post, auf dem dieser Artikel basiert, hat in der TYPO3-Community eine deutliche Resonanz ausgelöst. Einige haben ihre eigenen Erfahrungen geteilt. Zwei Stimmen möchte ich hier anonymisiert wiedergeben, weil sie das Problem aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen.
Ein TYPO3-Entwickler berichtet, dass er jahrelang Urlaubstage für Community-Events und Core-Team-Treffen nehmen musste. Gleichzeitig warb seine damalige Agentur in Kundenangeboten aktiv damit, einen Core-Entwickler im Team zu haben. Die Arbeit an einem Open-Source-Projekt wurde also als Verkaufsargument genutzt, aber nicht als Arbeitszeit anerkannt. Erst bei einem anderen Arbeitgeber wurde alles übernommen, inklusive Samstag als Arbeitszeit.
Ein anderer Kommentator beschreibt das "Kleinhalten"-Mindset, das er selbst jahrelang mitgemacht hat. Als Kreativer kaum auf Events gedurft, keine Fortbildungen angeboten bekommen. Sein Fazit: Er weiß inzwischen genau, was er beruflich nicht mehr will.
Diese Erfahrungen sind keine Einzelfälle. Sie zeigen, dass das Thema in der Branche einen Nerv trifft.
Warum Stillstand keine Option ist
Unsere Branche ist dynamisch. Neue Techniken, neue Methoden, neue Software. Alles entwickelt sich weiter. Wer nicht dranbleibt, verliert den Anschluss. Und Stillstand führt langfristig zum Tod einer Agentur.
TYPO3 Camps sind natürlich nicht die einzige Methode der Fortbildung. Es gibt gezielte Workshops, Online-Kurse, Dokumentationen, YouTube. Aber Camps sind eine der effektivsten und günstigsten Methoden, um Wissen aufzubauen, Kontakte zu pflegen und am Puls der Community zu bleiben.
Agenturchefs, die das verstanden haben, fördern die Teilnahme aktiv. Sie haben erkannt, dass es sich um eine Investition handelt, nicht um einen Kostenfaktor. Die Leute kommen mit frischen Impulsen, neuen Lösungsansätzen und einem erweiterten Netzwerk zurück. Das zahlt sich in jedem einzelnen Projekt aus.
Natürlich gibt es auch Mitarbeiter, die ihre Wochenenden nicht auf solchen Veranstaltungen verbringen wollen. Dafür gibt es gute Gründe: Familie, andere Verpflichtungen, persönliche Präferenzen. Die kann und soll man nicht zwingen. Aber als Agentur kann man eine Kultur schaffen, in der der Mehrwert solcher Veranstaltungen sichtbar ist. Und man kann gezielt Leute einstellen und fördern, die Community-Engagement als Teil ihrer professionellen Entwicklung begreifen.
Die TYPO3 Camps 2026
Die Campsaison läuft. Hier sind die wichtigsten TYPO3 Events 2026:
| Datum | Event | Ort |
|---|---|---|
| 23. bis 25. April | TYPO3 Camp Schweiz | Zürich, Schweiz |
| 8. bis 10. Mai | TYPO3 Camp Baden-Württemberg | Heidelberg |
| 5. bis 7. Juni | TYPO3 Camp Vienna | Wien, Österreich |
| 6. bis 8. August | TYPO3 Developer Days (Konferenz mit festem Programm, kein Barcamp) | Karlsruhe |
| 11. bis 13. September | TYPO3 Camp München | München |
| 15. bis 17. Oktober | TYPO3 Camp Berlin | Berlin |
| 6. bis 8. November | TYPO3 Camp RheinRuhr | Kamp-Lintfort |
Für viele dieser Events kann man bereits Tickets kaufen. Die aktuelle Übersicht findest du auf der TYPO3 Events-Seite.
Checkliste: So überzeugst du deinen Chef
Du willst auf ein TYPO3 Camp, aber dein Vorgesetzter blockt? Hier sind konkrete Schritte und Argumente, mit denen du ins Gespräch gehen kannst.
Vor dem Gespräch vorbereiten
- [ ] Ein konkretes Camp heraussuchen. Nicht abstrakt fragen ("Kann ich mal auf ein Camp?"), sondern konkret: "Ich möchte zum TYPO3 Camp Baden-Württemberg am 8. bis 10. Mai in Heidelberg."
- [ ] Die Kosten aufschlüsseln. Ticket, Hotel, Anreise. Eine konkrete Zahl ist besser als ein vages "Das kostet nicht viel." Rechne mit 500 bis 600 Euro.
- [ ] Den Bezug zum Tagesgeschäft herstellen. Welches aktuelle Projekt oder welche Herausforderung profitiert davon? "Wir setzen gerade Projekt X um und ich erwarte, dort Lösungsansätze für Y zu finden."
- [ ] Den Vergleich mit klassischen Fortbildungen parat haben. Ein Tagesworkshop kostet 1.000 bis 1.500 Euro. Für ein Camp-Wochenende zahlt man ein Drittel davon.
Im Gespräch argumentieren
- [ ] Fortbildung, nicht Freizeit. "Das ist eine der günstigsten Fortbildungsmöglichkeiten in unserer Branche. Zwei Tage Wissenstransfer, Verpflegung inklusive, für rund 500 Euro."
- [ ] Netzwerk als Unternehmenswert. "Ich knüpfe dort Kontakte zu Extension-Entwicklern und anderen Agenturen. Das sind Beziehungen, von denen wir als Firma profitieren."
- [ ] Wettbewerbsfähigkeit. "Unsere Branche entwickelt sich schnell. Camps sind der direkteste Weg, um am Puls der TYPO3-Entwicklung zu bleiben."
- [ ] Minimaler Ausfall. "Die meisten Camps finden am Wochenende statt. Im schlimmsten Fall fehle ich einen Tag für die Anreise."
Nach dem Camp
- [ ] Wissen teilen. Biete an, nach dem Camp ein kurzes internes Meeting zu machen, in dem du die wichtigsten Erkenntnisse mit dem Team teilst. Das zeigt dem Chef den konkreten Rückfluss.
- [ ] Ergebnisse dokumentieren. Welche Impulse hast du mitgenommen? Welche Kontakte geknüpft? Welche Lösungsansätze entdeckt? Das erleichtert die Argumentation fürs nächste Mal.
Fazit
Die TYPO3 Camps 2026 stehen vor der Tür. Für viele Events kann man bereits Tickets kaufen.
Wenn du Mitarbeiter hast: Schick sie hin. Es gibt keine günstigere und effektivere Fortbildung. Die Kosten sind minimal, der Ausfall ist gering, und der Nutzen zahlt sich in jedem Projekt aus.
Wenn du Mitarbeiter bist und dein Chef blockt: Nutze die Checkliste oben. Geh mit konkreten Zahlen und Argumenten ins Gespräch. Es geht um deine Weiterbildung, die auch deiner Firma zugutekommt.
Wer seine Leute kleinhalten muss, um sie zu halten, hat ein Problem. Und das Problem sind nicht die Camps.
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Hi, ich bin Wolfgang.
Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.
Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.
Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.
Als Mitglied im TYPO3 Education Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.