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Spaß als Geschäftskriterium: Warum ich profitable Projekte ablehne

Spaß als Geschäftskriterium: Warum ich profitable Projekte ablehne

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| Business | Geschätzte Lesezeit : min.

User Group abgegeben, Community eingestellt, Workshop gestrichen, Livestream-Rhythmus gebrochen. Alles Entscheidungen gegen den gesunden Menschenverstand. Und alle richtig.

Ich hatte nie eine Strategie.

Kein Fünfjahresplan, kein Vision Board, kein ausgeklügelter Masterplan. Alles, was ich heute tue, hat sich organisch entwickelt. Über Jahre. Durch Ausprobieren, Verwerfen, Weitermachen.

Aber eine Sache hat sich dabei als zuverlässigster Kompass herausgestellt: Spaß.

Nicht Umsatz. Nicht Reichweite. Nicht "was man halt so macht". Sondern die simple Frage: Macht mir das hier gerade Spaß?

Klingt banal. Ist es aber nicht.

Warum Spaß kein Luxus ist, sondern ein Geschäftskriterium

Wenn ich Spaß an etwas habe, bin ich automatisch besser darin. Die Umsetzung läuft leichter, die Ergebnisse stimmen, und die Menschen, mit denen ich arbeite, merken das. Wenn ich keinen Spaß habe, wird es zäh. Die Qualität leidet. Und irgendwann merkt das auch der Kunde.

Das ist keine Wohlfühl-Philosophie. Das ist ein ganz pragmatischer Zusammenhang.

Ich habe das oft genug erlebt: Ein Projekt, das auf dem Papier perfekt aussieht. Das Honorar stimmt, die Anforderungen sind klar, alles passt. Nur der Spaß fehlt. Und dann sitzt du da, arbeitest dich durch, und ein paar Tage später kommt eine Anfrage rein, auf die du richtig Bock gehabt hättest. Aber du kannst nicht, weil deine Zeit schon verplant ist. Mit etwas, das dich eigentlich nur nervt.

Das sind die echten Kosten. Nicht das Geld, das du nicht verdienst. Sondern die Gelegenheiten, die du verpasst, weil du deine Zeit mit den falschen Dingen füllst.

Vier Entscheidungen gegen den gesunden Menschenverstand

Über die Jahre habe ich einige Dinge eingestellt, bei denen andere den Kopf geschüttelt haben.

Ich habe die TYPO3 User Group Bodensee abgegeben. Zehn Jahre lang hatte ich die organisiert, aufgebaut, am Laufen gehalten. Irgendwann hat es einfach keinen Spaß mehr gemacht. Also habe ich sie übergeben. Leider ist die Usergroup inzwischen komplett eingeschlafen, weil mein Nachfolger es nicht weiterführen konnte. Das ist schade, aber es bestätigt auch: Wenn der Antrieb fehlt, merkt man das am Ergebnis.

Ich habe meine AI Roundtable Community auf Skool eingestellt. Die Interaktion war zu dünn, die Community ließ sich nicht nachhaltig aktivieren. Es hat sich einfach falsch angefühlt, das weiterzuziehen.

Ich habe einen Markenkompass-Workshop als Gruppenformat eingestellt, obwohl die Idee gut war und die Teilnehmer zufrieden. Trotz wochenlanger Promotion blieb die Nachfrage weit hinter den Erwartungen. Die Erkenntnis: Meine Reichweite und mein Vertrauen liegen im TYPO3-Kontext. Außerhalb davon fehlt die Aufmerksamkeit.

Und ich habe meinen wöchentlichen Twitch-Stream, den TYPO3 Donnerstag, von einem festen Rhythmus auf "wenn Bedarf und Bock da ist" umgestellt. Jahrelang war das ein fester Termin. Irgendwann hat sich der Pflichtcharakter eingeschlichen. Also habe ich den Rhythmus gebrochen und streame jetzt nur noch, wenn ich wirklich etwas zu zeigen habe. Die Qualität ist seitdem besser, und der Spaß ist zurück.

Jede dieser Entscheidungen war unbequem. Und jede war richtig.

Zwei Werkzeuge, die mir helfen

Ich bin kein Typ, der meditiert oder Tagebuch führt. Aber ich habe zwei einfache Routinen, die mir helfen, auf Kurs zu bleiben.

Die erste ist die Freitagsfrage. Jeden Freitag poppt in meiner To-Do-Liste automatisch die Frage auf: "Wovon kann ich mich verabschieden?" Dann halte ich kurz inne und überlege: War in den letzten Tagen etwas dabei, wo ich gedacht habe "Schon wieder, muss das sein?" Wenn etwas einmal auftaucht, ist das kein Drama. Auch beim zweiten Mal nicht. Manchmal hat man einfach einen schlechten Tag. Aber wenn das gleiche Thema drei, vier Wochen hintereinander auftaucht, dann ist es ein ernsthafter Kandidat. Dann muss ich mir Gedanken machen, ob ich das weiterführe oder nicht.

Die zweite Routine ist noch relativ neu: der Spaß-Tracker. Seit ein paar Wochen schreibe ich mir auf, was mir in der vergangenen Woche besonders viel Energie gegeben hat. Das Gegenstück zur Freitagsfrage, sozusagen. Hier geht es darum, Muster zu erkennen. Was sind die Sachen, bei denen ich wirklich aufblühe? Kann ich davon mehr machen? Kann ich das vertiefen? Langfristige Auswirkungen muss ich noch abwarten, aber es hilft mir jetzt schon, mich auf die richtigen Dinge zu konzentrieren.

"Kann man sich das leisten?"

Das ist die Frage, die jetzt wahrscheinlich im Raum steht. Und sie ist berechtigt.

Ich bin teilzeit-selbstständig. Neben meinem eigenen TYPO3-Business arbeite ich als TYPO3-Integrator bei einer Agentur. Erleichtert es das, solche Entscheidungen zu treffen? Wahrscheinlich ja.

Aber auch für Vollzeit-Selbstständige gilt: Es ist immer eine Abwägung. Wenn du gerade neu gestartet bist, in den ersten zwei, drei Jahren, dann musst du wahrscheinlich auch mal Aufträge annehmen, die nicht perfekt passen. Das gehört dazu. Trotzdem solltest du dich fragen, ob es das wirklich wert ist. Ob es wirklich wert ist, Dinge zu tun, die dich nur nerven, weil Geld reinkommt.

Geld ist wichtig. Aber deine seelische Gesundheit und Zufriedenheit sind wichtiger. Und die Sachen, die keinen Spaß machen, aber trotzdem erledigt werden müssen (Steuererklärung, Verwaltungskram, Buchhaltung), die kann man oft auch delegieren. An Mitarbeiter, an Freelancer, an virtuelle Assistenten. Das kostet Geld, klar. Aber in der Zeit, die du dadurch gewinnst, kannst du Dinge tun, die dir erstens Spaß machen und zweitens vielleicht auch noch mehr einbringen.

Ist das naiv? Ich weiß es nicht. Es funktioniert für mich. Und ich glaube, es ist weniger naiv als der umgekehrte Ansatz: Dinge zu tun, die einen kaputt machen, nur weil sie Geld bringen.

Was mir gerade Spaß macht

Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke, sind es vor allem Live-Formate, die richtig Energie geben. Masterclass-Sessions mit meinen Teilnehmern, die monatlichen Treffen der Business Roundtable Community, Workshops. Überall da, wo direkter Austausch stattfindet, wo Interaktion ist, wo ich sofort sehe, dass es was bringt.

Für dieses Jahr habe ich bereits Vor-Ort-Workshops in Vorbereitung: vor den TYPO3 Developer Days in Karlsruhe, vor dem TYPO3camp München und höchstwahrscheinlich auch wieder vor dem TYPO3camp RheinRuhr. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

Und bald starte ich mit der Produktion des TYPO3 Komplettkurses. Das wird anstrengend. Aber spaßig. Und genau das ist der Punkt.

Dein Spaß-Check

Vielleicht nimmst du dir diese Woche mal fünf Minuten und stellst dir zwei Fragen:

  1. Was habe ich in den letzten zwei Wochen getan, das mir wirklich Spaß gemacht hat?
  2. Was habe ich getan, bei dem ich gedacht habe: "Muss das sein?"

Du brauchst keinen Tracker und keine wöchentliche Routine. Aber die ehrliche Antwort auf diese zwei Fragen kann der Anfang von ziemlich guten Entscheidungen sein.

Wenn du dich über solche Themen regelmäßig austauschen willst: In der Business Roundtable Community diskutieren wir genau solche Fragen unter TYPO3-Selbstständigen. Das nächste Treffen ist am 7. April.

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Im Community Hub für TYPO3 kannst du dich mit anderen TYPO3 Anwendern austauschen. Und wenn du keine neuen Artikel verpassen willst: Der TYPO3 Newsletter kommt einmal im Monat, ohne Spam.

Hi, ich bin Wolfgang.

Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.

Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.

Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.

Meine Teilnehmer nutzen mich als Sparringspartner. Nicht im Sinne von "ruf mich jederzeit an", sondern so: Du kommst mit einem konkreten Problem in die Live-Session, postest deine Frage in der Community oder schaust dir das passende Video an. Und bekommst eine Antwort, die funktioniert, weil sie aus der Praxis kommt.

Als Mitglied im TYPO3 Education & Certification Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.

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