Schlechte KI-Texte erkennen: Warum Qualität kein Zufall ist
Artikel vorlesen lassen
Generische KI-Texte sind überall. Auch auf den Websites von Agenturen, die es besser wissen sollten. Warum das ein Problem ist und was sich dagegen tun lässt.
"Entdecke, wie du mit TYPO3 deine SEO-Strategie auf das nächste Level hebst."
Wenn ein Blogartikel so anfängt, lese ich nicht weiter.
Nicht weil das Thema uninteressant wäre. Sondern weil ich in dem Moment weiß: Hier hat jemand einen Prompt in ChatGPT geworfen und das Ergebnis ohne Nachdenken veröffentlicht. Und solche Texte begegnen mir inzwischen ständig. Auf Agentur-Websites, in Fachartikeln, in LinkedIn-Posts. Auch im TYPO3-Umfeld.
Warum mich das stört
Wenn ich einen Text lese und nach drei Sätzen denke: "Das hat eine KI geschrieben und niemand hat drübergeschaut", dann passiert etwas: Ich verliere das Vertrauen in den Absender. Nicht weil KI schlecht ist. Sondern weil es zeigt, dass sich jemand nicht die Mühe gemacht hat, den Text zu seinem eigenen zu machen.
Das ist wie ein Handwerker, der mit einer teuren Maschine arbeitet, aber das Ergebnis nicht prüft. Das Werkzeug ist gut. Aber das Ergebnis sagt etwas über den Handwerker.
Woran man es erkennt
Es sind oft Kleinigkeiten. Aber wenn man einmal darauf achtet, sieht man es überall:
Generische Einstiege. "Entdecke, wie du..." oder "Erfahre, wie..." oder "Tauche ein in die Welt von...". Das sind Formulierungen, die kein Mensch in einem normalen Gespräch verwenden würde. Sie klingen nach Werbeprospekt, nicht nach einem Fachkollegen, der sein Wissen teilt.
Superlative im Überfluss. "Die ultimative Lösung", "der umfassendste Guide", "das revolutionäre Tool". Echte Experten reden so nicht. Die sagen: "Das funktioniert gut" oder "Das hat sich bewährt". Ohne Ausrufezeichen.
Gedankenstriche an jeder zweiten Stelle. Ein Stilmittel, das in Maßen okay ist. Aber wenn jeder dritte Satz einen Gedankenstrich enthält, fällt es auf. Weil die meisten Menschen so nicht schreiben.
Kein eigener Stil. Das ist der subtilste Punkt und gleichzeitig der deutlichste. Der Text könnte von jedem stammen. Keine Haltung, keine Meinung, keine persönliche Erfahrung. Alles klingt glatt, ausbalanciert, nett. Aber es fehlt das "Ich".
Wenn es richtig peinlich wird
Die sprachlichen Auffälligkeiten sind das eine. Es gibt aber auch Fälle, die richtig problematisch sind.
In einem Artikel über TYPO3 und SEO wurde allen Ernstes behauptet, dass TYPO3 standardmäßig ein Feld in den Seiteneigenschaften hat, um JSON-LD-Daten (schema.org) zu pflegen. Das gibt es nicht. Das gab es nie.
Wer sich mit TYPO3 auskennt, erkennt den Fehler sofort. Aber was ist mit dem Leser, der es nicht besser weiß? Der probiert es aus, findet das Feld nicht und ist verwirrt. Oder schlimmer: Der verbreitet die falsche Information weiter.
Solche Fehler passieren, wenn niemand, der sich mit dem Thema wirklich auskennt, den KI-Output prüft. Die KI erfindet etwas, das plausibel klingt. Und weil es plausibel klingt, fällt es nicht auf. Zumindest nicht dem, der es veröffentlicht hat.
Ich war selbst nicht besser
Ich will hier nicht den Moralapostel spielen. Denn ich hatte genau das gleiche Problem.
Als ich Anfang 2023 anfing, KI-Tools intensiv für meinen Content zu nutzen, waren auch meine Texte voll mit generischen Formulierungen. "Entdecke, wie..." stand bei mir genauso drin wie bei allen anderen. Die Texte funktionierten irgendwie, aber sie klangen nicht nach mir.
Zwei Dinge haben mich wachgerüttelt: Erstens haben mir die Texte selbst nicht mehr gefallen. Und zweitens habe ich Feedback bekommen. Leser haben gefragt, ob jetzt alles nur noch KI-generiert ist. Das war der Moment, in dem ich wusste: So geht das nicht weiter.
Was ich daraus gelernt habe
Das Problem war nicht die KI. Das Problem war, dass die KI mich nicht kannte.
Wenn du ChatGPT oder Claude einfach sagst "Schreib mir einen Blogartikel über XY", bekommst du den statistischen Durchschnitt aller Texte, die jemals zu diesem Thema geschrieben wurden. Glatt, generisch, ohne Ecken und Kanten. Ohne deine Stimme. Ohne deine Haltung. Ohne deine Erfahrung.
Mein Ansatz war, systematisch daran zu arbeiten: Wie bringe ich der KI bei, in meinem Stil zu schreiben? Nicht mit einem einzelnen Prompt, sondern mit einem strukturierten Prozess.
Das Ergebnis ist das, was ich die Markenkompass-Methode nenne. Ein strukturiertes Profil, das der KI beibringt, wie ich schreibe, wen ich anspreche und was mir wichtig ist. Dazu gehören meine Tonalität, meine Sprache, typische Formulierungen, aber auch meine Zielgruppe mit ihren konkreten Problemen und Wünschen.
Ich nutze das seit über einem Jahr täglich. Für meinen Newsletter, Blogartikel, Social-Media-Posts. Und der Unterschied zu vorher ist deutlich. Nicht weil die KI plötzlich besser geworden ist. Sondern weil sie jetzt den Kontext hat, den sie vorher nicht hatte.
Der überraschende Nebeneffekt
Was mich selbst überrascht hat: Die Arbeit am Markenkompass war nicht nur ein KI-Projekt. Es war ein Strategieprozess.
Beim Erarbeiten meines Markenkompasses habe ich Dinge über meine Zielgruppe verstanden, die mir vorher nicht so klar waren. Wie sie denkt. Was sie wirklich braucht. Welche Sprache sie spricht. Und welche Begriffe sie auf keinen Fall hören will.
Das hat meine gesamte Kommunikation verändert. Nicht nur die KI-generierten Texte.
KI-Detektoren helfen übrigens nicht
Bevor jemand fragt: Nein, KI-Detektoren sind keine Lösung. Ich habe diverse Tools getestet. Die Ergebnisse sind unzuverlässig. Mal wird ein echter, manuell geschriebener Text als KI-generiert erkannt, mal rutscht ein offensichtlicher ChatGPT-Output durch.
Die einzige zuverlässige Erkennung funktioniert über den eigenen Qualitätsanspruch: Klingt der Text nach mir? Würde ich das so sagen? Steht mein Name darunter und ich bin stolz darauf?
Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen "Nein" ist, braucht der Text noch Arbeit.
Ein einfacher Test für deine eigenen Texte
Bevor du weiterliest: Nimm dir einen deiner letzten KI-generierten Texte vor. Egal ob Blogartikel, LinkedIn-Post oder eine Seite auf deiner Website. Und stell dir drei Fragen:
- Würde ich diesen Satz so in einem Gespräch mit einem Kunden sagen? Wenn nicht, ist er vermutlich nicht in deiner Sprache geschrieben.
- Steht in diesem Text eine Meinung oder Erfahrung, die nur von mir kommen kann? Wenn nicht, könnte er von jedem beliebigen Anbieter stammen.
- Könnte dieser Text genauso auf jeder anderen Website stehen? Wenn ja, leistet er nichts für deine Positionierung.
Wer bei allen drei Fragen ins Stocken kommt, hat kein KI-Problem. Sondern ein Klarheitsproblem. Und genau da setzt die Arbeit an, die sich wirklich lohnt.
Die eigentliche Frage
Es geht nicht darum, ob man KI nutzt. Die meisten tun es, ich auch. Es geht darum, wie man sie nutzt.
KI ist ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug entscheidet nicht das Tool über das Ergebnis, sondern der Mensch, der es bedient.
Wer generische KI-Texte unbearbeitet veröffentlicht, sagt damit etwas über die eigenen Standards. Und in einer Branche, in der Vertrauen und Fachkompetenz zählen, ist das kein gutes Signal.
Die gute Nachricht: Es ist kein Hexenwerk, das zu ändern. Es braucht ein bisschen Arbeit an der eigenen Positionierung, am eigenen Stil und an der Art, wie man mit KI-Tools zusammenarbeitet. Aber diese Arbeit lohnt sich. Nicht nur für bessere Texte, sondern für mehr Klarheit im eigenen Business.
Ich gebe am 23. März einen Online-Workshop, in dem du deinen eigenen Markenkompass erarbeitest. An einem Tag. Praxistag, kein Webinar. Du gehst raus mit einem fertigen System, das die KI ab sofort in deinem Stil schreiben lässt. Alle Infos und Anmeldung.
ZurückKommentare unter Artikeln sind deaktiviert. Wenn du eine Frage oder Ergänzung hast, schreib mir bitte eine E-Mail.
Hi, ich bin Wolfgang.
Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.
Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.
Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.
Als Mitglied im TYPO3 Education Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.