Die Kunst des E-Mail-Wartespiels: Ein Survival-Guide für Projektleiter
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Es war einmal eine Zeit, da kamen Briefe mit der Postkutsche. Drei Wochen Laufzeit galten als Express-Service. Diese goldenen Zeiten sind zurück – zumindest bei manchen Kunden.
Das Phänomen der digitalen Briefpost
Du kennst das: Du schickst eine Mail mit der Überschrift "DRINGEND: Brauche Logo-Freigabe für Go-Live am Freitag" und wartest.
Und wartest.
Währenddessen wächst dir ein Bart (oder du bekommst eine Glatze), der Projekttermin wandert ins nächste Quartal, und du fragst dich, ob der Kunde vielleicht in ein Kloster eingetreten ist.
Nach zwei Wochen kommt dann die erlösende Antwort: "Sorry für die späte Rückmeldung..." Gefolgt von der üblichen Ausrede: "War total im Stress."
Ach so. Im Stress. Verstehe. Du warst zwei Wochen im Stress, hattest aber Zeit für 47 LinkedIn-Posts über Work-Life-Balance.
Die verschiedenen Kundentypen beim E-Mail-Ping-Pong
Der Zeitreisende: Antwortet grundsätzlich erst, wenn das Problem bereits von selbst gelöst ist. Schickt dir am 15. Dezember die Rückmeldung zur Weihnachtskampagne.
Der Minimalist: Antwortet nach einer Woche mit "OK". Du fragst dich: OK zu was? Zum Projektabbruch? Zur Preiserhöhung? Zum Weltfrieden?
Der Romanschreiber: Braucht zwei Wochen, um dir einen seitenlangen Roman zu schreiben, in dem alles steht – nur nicht die Antwort auf deine Frage.
Der Prokrastinations-Profi: Antwortet immerhin - das muss man ihm lassen. "Kann mich gerade nicht darum kümmern, melde mich nächste Woche." Das ist ehrlich und planbar. Spoiler: Er meldet sich in drei Wochen mit derselben Nachricht.
Meine neue E-Mail-Philosophie
Früher war ich geduldiger. Viel geduldiger. Heute weiß ich: Geschäftsbeziehungen funktionieren nur auf Augenhöhe - auch bei der Kommunikation.
Zwei Werktage Antwortzeit bei laufenden Projekten? Das ist nicht übertrieben. Das ist das Minimum für funktionierende Geschäftsbeziehungen. Wenn dein Zahnarzt zwei Wochen nicht auf deinen Notfall-Anruf reagiert, wechselst du auch den Zahnarzt.
Meine Survival-Strategien
Die Deadline-Bombe: "Ich brauche die Info bis Donnerstag, sonst verzögert sich der Launch um eine Woche." Plötzlich finden sie Zeit zwischen Mittagspause und Feierabend.
Der Spiegel-Trick: "Da Sie gerade sehr beschäftigt sind – sollen wir das Projekt für vier Wochen pausieren?" Interessant, wie schnell aus "total im Stress" plötzlich "ach, zwei Minuten hab ich schon" wird.
Die Reverse-Psychology: "Kein Problem, lassen Sie sich Zeit. Ich schiebe Sie dann in meiner Planung nach hinten." Funktioniert besonders gut bei Kunden, die Exklusivität lieben.
Die unbequeme Wahrheit
Viele Kunden haben andere Prioritäten und schätzen meine Zeit nicht wert. Das ist die unbequeme Wahrheit.
Wenn dein Kunde zwei Wochen braucht, um "Ja, passt so" zu schreiben, dann liegt das nicht am übervollen Posteingang. Es liegt daran, dass dein Projekt für ihn gerade nicht wichtig genug ist.
Mein Fazit
Du kannst von deinen Kunden erwarten, dass sie innerhalb von zwei Werktagen antworten. Das ist nicht kleinkariert, das ist professionell. Wenn jemand zu beschäftigt für eine kurze Rückmeldung ist, ist er auch zu beschäftigt für ein erfolgreiches Projekt.
Und falls du dir jetzt denkst: "Aber Wolfgang, du antwortest doch auch nicht immer sofort..." – stimmt. Aber ich halte mich in der Regel an meine eigenen zwei Werktage. Und wenn ich im Urlaub bin, gibt es einen Autoresponder. So funktioniert professionelle Kommunikation.
PS: Falls du zu den Kunden gehörst, die immer schnell antworten – ihr seid die wahren Helden des Projektalltags. Für euch gibt es einen Sonderplatz im Freelancer-Himmel. Direkt neben der Kaffeemaschine.
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Hi, ich bin Wolfgang.
Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.
Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.
Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.
Als Mitglied im TYPO3 Education Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.