Der innere Schweinehund darf nicht einmal gewinnen: Warum TYPO3-Integratoren den Anschluss verlieren, ohne es zu merken
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Drei verschachtelte Conditions, wo ein f:switch reicht. Derselbe Code in drei Templates kopiert. Veralteter HTML-Code und ein PageSpeed-Score, der nicht hochgeht. Kommt dir das bekannt vor? Dann solltest du diesen Artikel lesen.
Ich sehe es regelmäßig bei TYPO3-Integratoren: Code voller Workarounds, veraltete Fluid-Templates, Redundanzen, die nicht sein müssten. Nicht weil die Leute dumm sind. Sondern weil sie irgendwann aufgehört haben, sich weiterzubilden. Und das Gefährliche daran: Sie merken es meistens gar nicht. Weil ihr Setup ja noch "funktioniert".
Dieser Artikel handelt davon, wie das passiert, warum es so schwer zu erkennen ist und was du konkret dagegen tun kannst.
Stell dir vor, du liest die Release Notes von TYPO3 v14. Site Sets, Fluid 5 ViewHelper, neues Rendering-Konzept. Du denkst: "Interessant. Schau ich mir an, wenn das aktuelle Projekt durch ist." Das Projekt ist durch. Du fängst das nächste an. Site Sets stehen immer noch auf der Liste. Kein Alarm geht los. Kein Kunde beschwert sich. Und genau so fängt es an.
Du merkst es nicht
Der innere Schweinehund ist kein Gegner, der laut auftritt. Er kommt leise. Er sagt nicht: "Hör auf zu lernen." Er sagt: "Nicht diese Woche." Und wenn du ihm einmal nachgibst, springt er immer wieder auf die Couch. Wie ein Hund, dem du einmal erlaubst, hochzuspringen. Ab diesem Moment ist die Regel gebrochen. Der Hund weiß das. Und du weißt es auch.
Das Bild passt, weil es genau so funktioniert beim Lernen. "Nach der Deadline." "Wenn die nächste LTS kommt." "Wenn das Projekt durch ist." Jedes Mal wird es leichter, beim nächsten Mal wieder nachzugeben.
Aber das eigentliche Problem ist nicht die fehlende Disziplin. Das eigentliche Problem ist: Du weißt nicht, was du nicht weißt. Wer sich nie mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt, kennt sie nicht. Und wer sie nicht kennt, kann auch nicht beurteilen, dass die eigene Arbeitsweise veraltet ist. Es gibt kein Warnsignal. Es schleicht sich einfach ein.
Wie es in der Praxis aussieht
Ich bin seit fast 20 Jahren in der TYPO3-Welt unterwegs. Und ich sehe es regelmäßig: Integratoren, die mal fit waren, aber irgendwann aufgehört haben, sich weiterzubilden. Nicht bewusst. Es ist einfach passiert.
Was ich dann sehe:
- Selbstgebaute Krücken in Fluid-Templates, weil aktuelle ViewHelper nicht bekannt sind. Du baust dir drei verschachtelte Conditions, wo ein f:switch reichen würde. Du weißt es nicht, weil du den ViewHelper nie gesehen hast.
- Massig Redundanzen im Code, weil sich niemand mit den Möglichkeiten von Fluid beschäftigt hat. Du kopierst dasselbe Code-Schnipsel in drei Templates, weil du nicht weißt, wie du es als Partial zentral bereitstellst. Layouts, Sections, Partials, Switch-Case-ViewHelper. Das alles gibt es. Aber wer es nie gelernt hat, baut Workarounds.
- Veralteter HTML-Code, der vor fünf Jahren Standard war, heute aber nicht mehr. Du nutzt Strukturen, die kein moderner Browser mehr braucht, und wunderst dich, warum der PageSpeed-Score nicht hochgeht.
- Grundlegende Kenntnisse, die fehlen oder vergessen wurden, weil man jahrelang nur im eigenen Trott gearbeitet hat. Du weißt nicht mehr, warum du etwas so machst, wie du es machst. Es war halt schon immer so.
Wenn du bei mehr als einem dieser Punkte nickst, weißt du, wovon ich rede.
Das Resultat: Der Code funktioniert. Die Website läuft. Aber unter der Haube sieht es aus wie vor zehn Jahren. Und das Fatale: Der Integrator merkt es oft gar nicht. Weil er die besseren Wege schlicht nicht kennt.
Das kann ich nicht nachvollziehen
Ich sage das ganz direkt: Wenn ich etwas mache, dann will ich es verstehen. Und möglichst gut machen. Wenn es Werkzeuge gibt, die meine Arbeit besser, schneller oder sauberer machen, dann will ich die kennen.
TYPO3 ist für mich auch nach fast 20 Jahren noch ein Hobby. Ein kommerzielles Hobby, weil ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene. Aber es macht mir immer noch Spaß. Vielleicht ist das der Grund, warum der Schweinehund bei mir in diesem Bereich selten gewinnt.
Aber ich verstehe, dass es nicht jedem so geht. Für viele ist TYPO3 Beruf, nicht Leidenschaft. Und genau dann wird es gefährlich. Weil die Motivation, sich selbst weiterzubilden, fehlt. Weil Kundenprojekte immer dringender sind als Lernen. Weil das alte Setup ja "funktioniert".
Nur: Ein Selbstständiger, der so arbeitet, wird irgendwann abgehängt. Von denen, die dranbleiben. Und einem Angestellten geht es genauso. Irgendwann kommen Leute, die fitter sind, die saubereren Code schreiben, die schneller und effizienter arbeiten. Und dann guckst du in die Röhre.
Was hilft: Struktur statt Motivation
Mal ehrlich: Wenn du bis hierhin gelesen hast und dich in dem einen oder anderen Punkt wiedererkennst, dann weißt du, dass sich etwas ändern muss. Die Frage ist nur: Was?
Nimm die Doku vor. Lies das Changelog. Schau dir an, was sich in TYPO3 v14 geändert hat. Bau ein kleines Testprojekt. Probier Site Sets aus. Ja, das kostet Zeit. Aber du wirst überrascht sein, wie viel einfacher manche Dinge geworden sind, wenn man sie einmal verstanden hat.
Und dann: Trag dir feste Lernzeiten im Kalender ein. Eine Stunde pro Woche. Oder eine halbe Stunde pro Tag. Das ist ein Termin mit dir selbst, und der wird eingehalten. Klingt banal. Ist es auch. Aber es funktioniert.
Nicht immer. Aber oft. Und "oft" ist deutlich besser als "nie".
Der Punkt ist: Du brauchst keine Motivation. Du brauchst eine Struktur. Motivation kommt und geht. Eine feste Zeit im Kalender bleibt.
Dranbleiben muss nicht Einzelkampf sein
Eine Sache habe ich über die Jahre gelernt: Alleine dranbleiben ist deutlich schwerer als in einer Gruppe. Und alleine steckenbleiben ist noch schlimmer.
Du sitzt abends an einem Problem. Du hast die Doku gelesen, drei Tutorials durchprobiert, nichts funktioniert. Im Slack ist niemand online. Im Forum antwortet frühestens übermorgen jemand. Und du denkst: "Dafür habe ich jetzt zwei Stunden verschwendet." Das ist der Moment, in dem die meisten aufgeben. Nicht weil sie zu faul sind. Sondern weil alleine lernen an genau solchen Stellen aufhört zu funktionieren.
Wenn du dagegen weißt, dass nächste Woche eine Live Session stattfindet, bei der andere Integratoren die gleichen Themen durcharbeiten, dann ist die Hürde niedriger, selbst dabei zu sein. Du musst dich nicht alleine aufraffen. Der Termin steht, die Gruppe ist da. Und du merkst schnell, dass die anderen mit den gleichen Fragen kämpfen wie du.
Genau das ist der Gedanke hinter dem TYPO3 Komplettkurs, an dem ich gerade arbeite: Ein flexibler Zugang mit regelmäßigen Live Sessions und einer Community, die am gleichen Strang zieht. Die Inhalte wachsen mit jeder neuen TYPO3-Version mit. Kein "Kurs gekauft, Ordner zu, vergessen", sondern eine Struktur, die es leichter macht, dranzubleiben.
Der Kurs nimmt dir die Disziplin nicht ab. Aber er baut ein Gerüst, das hilft. Und manchmal reicht ein Gerüst, um den Schweinehund auf dem Boden zu halten.
Wenn dich das interessiert: Trag dich auf die Warteliste ein und ich informiere dich, sobald es losgeht.
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Hi, ich bin Wolfgang.
Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.
Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.
Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.
Meine Teilnehmer nutzen mich als Sparringspartner. Nicht im Sinne von "ruf mich jederzeit an", sondern so: Du kommst mit einem konkreten Problem in die Live-Session, postest deine Frage in der Community oder schaust dir das passende Video an. Und bekommst eine Antwort, die funktioniert, weil sie aus der Praxis kommt.
Als Mitglied im TYPO3 Education & Certification Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.