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Community-Engagement als Business-Strategie für TYPO3-Selbständige

Community-Engagement als Business-Strategie für TYPO3-Selbständige

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Viele TYPO3-Selbständige sehen Community-Arbeit als teures Hobby. Warum das ein Fehler ist und wie Community-Engagement konkret zu Aufträgen, Sichtbarkeit und Kooperationen führt.

Es gibt einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist: "Wenn dich keiner kennt, kann dich keiner buchen." 

Klingt banal. Ist es aber nicht. Vor allem nicht, wenn du als TYPO3-Freelancer oder Agenturinhaber darüber nachdenkst, wo deine nächsten Aufträge herkommen sollen. Oder wenn du als Entwickler eine gute Stelle bei einer Agentur suchst.

Viele in unserer Branche betrachten Community-Engagement als nettes Hobby. Als etwas, das man macht, wenn man Zeit hat. Spoiler: Man hat nie Zeit. Und genau deshalb lohnt es sich, Community-Arbeit nicht als Zeitvertreib zu sehen, sondern als das, was sie sein kann: eine echte Business-Strategie.

Sichtbarkeit ist kein Luxus

Natürlich gibt es Leute, die nur von Mundpropaganda leben. Die nie auf einem Camp waren, nie in einem Forum geschrieben haben und trotzdem genügend Aufträge bekommen. Das funktioniert. Für manche. Aber es ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Mein eigener Weg in die TYPO3-Branche begann mit Sichtbarkeit. 2010 habe ich angefangen, TYPO3-Videos auf YouTube zu veröffentlichen. Damals gab es nichts Vergleichbares auf Deutsch. Diese Sichtbarkeit hat dazu geführt, dass ich 2012 den Sprung vom Krankenpfleger in die Webentwicklung machen konnte. Nicht durch ein klassisches Bewerbungsverfahren, sondern weil eine Agentur aus der Community auf mich aufmerksam wurde und wusste, was ich kann. Sichtbarkeit hat mir also nicht nur Aufträge gebracht, sondern zuerst einmal einen Job.

Sie hat mich nicht nur beruflich weitergebracht. Sie war auch die Grundlage dafür, dass ich später eigene TYPO3-Videokurse anbieten konnte. Hätte mich vorher niemand gekannt, hätte die auch niemand gekauft. (Die ganze Geschichte habe ich in „Warum ich seit 16 Jahren jede Woche TYPO3-Content produziere“ aufgeschrieben.)

Vertrauen entsteht vor dem ersten Kontakt

Wenn du in der Community aktiv bist, kennen dich potenzielle Kunden, Kooperationspartner oder auch Arbeitgeber vielleicht schon, bevor sie dich jemals kontaktieren. Sie haben gesehen, wie du in einem Forum eine Frage beantwortet hast. Sie haben einen Vortrag von dir auf einem Camp gehört. Oder sie haben einen deiner Blogartikel gelesen.

Das verändert die Dynamik komplett. Wenn es dann zu einem Gespräch kommt, ob über ein Projekt oder eine Stelle, agierst du auf Augenhöhe. Kein klassisches Bewerbungsgespräch, kein "Verkaufen müssen". Du hast dein Können schon bewiesen. Der andere weiß, worauf er sich einlässt.

Das spart dir unter Umständen auch Akquise. Denn wer dich kennt und weiß, was du kannst, kommt zu dir. Nicht umgekehrt.

Kompetenz zeigen und Zertifikate ergänzen sich

Als Mitglied des TYPO3 Education & Certification Committee weiß ich, wie viel Arbeit in den Zertifizierungen steckt. Zertifikate sind wertvoll. Sie belegen fundiertes Wissen und geben Kunden eine Orientierung.

Aber ein Zertifikat allein macht dich nicht sichtbar. Wer in der Community regelmäßig zeigt, was er kann und weiß, baut Vertrauen auf, das über jedes Zertifikat hinausgeht. Das eine schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil: Zertifikat plus Sichtbarkeit ist die stärkste Kombination.

Ich kenne das noch aus meiner Zeit als Krankenpfleger. Nicht jeder Arzt war automatisch der Kompetenteste im Raum, nur weil er einen Doktortitel hatte. Und genauso ist es in unserer Branche: Wer in Foren hilft, auf Veranstaltungen präsent ist und sein Wissen teilt, wird als Experte wahrgenommen. Nicht durch Eigenwerbung, sondern durch Kompetenz.

Dein Netzwerk ist dein Sicherheitsnetz

Community-Engagement zahlt sich auf mehreren Ebenen aus. Nicht nur für dich persönlich, sondern in alle Richtungen.

Du findest Leute für deine eigenen Projekte. Ich habe zum Beispiel jemanden für den Videoschnitt meiner TYPO3-Kurse über die Community gefunden. Einfach mal rumgefragt, und es hat sich ergeben. In der Agentur brauchten wir Unterstützung bei einem Upgrade mit Custom Extensions. Da ist mir sofort jemand aus der Community eingefallen, mit dem wir dann zusammengearbeitet haben.

Du kannst Aufträge weitergeben. Ich bekomme regelmäßig Anfragen für Projekte, die ich selbst nicht umsetze, weil mein Fokus auf Kursen und Trainings liegt. Einige dieser Projekte habe ich an Leute aus der Community weitergegeben. Manchmal gezielt an jemanden, von dem ich wusste, dass das Projekt gut passt. Das kann ich aber nur machen, wenn ich die Leute kenne, weiß, was sie tun und ob sie gut sind.

Community-Mitglieder finden sich gegenseitig. In meiner Masterclass habe ich inzwischen mehrfach erlebt, wie sich Teilnehmer untereinander vernetzen und dann projektbezogen oder sogar dauerhaft zusammenarbeiten. Da haben sich kleine Netzwerke gebildet aus Leuten, die sich vorher gar nicht kannten. Wer aktiv mithilft und zeigt, worauf er sich spezialisiert hat, fällt auf. Wir haben zum Beispiel jemanden in der Community, der SEO-Spezialist ist. Das weiß inzwischen jeder, weil er es gezeigt hat.

Positionierung ohne großes Marketing-Budget

Ob Community-Engagement klassisches Marketing ersetzen kann, hängt von der Situation ab. Eine Agentur mit 50 Mitarbeitern und entsprechendem Budget geht da sicher anders ran als ein Solo-Selbstständiger. Bezahlte Werbung kann für größere Unternehmen durchaus sinnvoll sein.

Für Solo-Selbstständige und kleine Teams kann Community-Arbeit aber ein vollwertiger Marketing-Kanal sein. Forum, Slack, Social Media, Camps, Livestreams: All das positioniert dich als Anlaufstelle für TYPO3-Themen, ohne dass du einen Cent für Werbung ausgeben musst.

Und es gibt einen Bonus, der oft unterschätzt wird: Du bekommst Impulse von außen. Neue Ideen, andere Perspektiven, Anregungen, auf die du allein nie gekommen wärst. Community-Arbeit erweitert deinen Horizont. Das ist manchmal genauso viel wert wie der nächste Auftrag.

Die ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung

Community-Engagement kostet Zeit. Manchmal auch Geld, zum Beispiel Reisekosten für Camps oder Usergroup-Treffen. Das soll hier nicht verschwiegen werden.

Wer das Ganze anders als ich nicht als Hobby empfindet, sollte sich ein Budget setzen. Das kann ein Zeitbudget sein: zum Beispiel eine halbe Stunde am Tag für Aktivitäten in Foren, auf Social Media oder für eigene Inhalte. Oder ein finanzielles Budget für Reisen zu Events.

Es gibt auch die andere Seite. Ich habe schon erlebt, dass jemand so tief in die Open-Source-Arbeit am TYPO3-Core eingestiegen ist, dass die bezahlten Kundenprojekte liegen geblieben sind. Das Engagement war ehrenwert, aber die Rechnungen hat es nicht bezahlt. Community-Arbeit sollte nie dazu führen, dass dein eigentliches Geschäft darunter leidet.

Der beste Weg ist, beides zu verbinden. Aus einem Kundenprojekt kann ein Blogartikel entstehen, ein Forenbeitrag oder ein Vortrag auf einem Camp. Und umgekehrt bringt dir Community-Arbeit Wissen und Kontakte, die direkt in deine Projekte einfließen. Das muss kein Entweder-oder sein. Wer Wege findet, Projektarbeit und Community-Engagement zu kombinieren, gewinnt auf beiden Seiten.

Was du konkret tust, muss zu dir passen. Manche schreiben lieber Blogartikel, andere beantworten gerne Fragen in Foren, wieder andere produzieren Videos oder sind auf Social Media aktiv. Das muss man austesten und herausfinden, was einem liegt.

Zwei Dinge sind dabei entscheidend:

Es muss Spaß machen. Wenn du merkst, dass es sich nur wie eine lästige Pflicht anfühlt, dann lass es. Das merken auch die anderen. Authentizität ist in der Community alles.

Es ist ein langfristiges Spiel. Es bringt nichts, drei Monate jeden Tag etwas zu posten und dann aufzuhören, weil sich keine Erfolge einstellen. Community-Arbeit zahlt sich nicht nächste Woche aus. Das kann ein, zwei, drei Jahre dauern. Aber wenn es so weit ist, merkst du es deutlich.

Muss ich eine eigene Community gründen?

Nein. Eine eigene Community aufzubauen ist eine separate Disziplin mit erheblichem Zeitaufwand. Als Freelancer oder Solo-Selbstständiger reicht es völlig, sich in bestehende Communities einzubringen. Und man muss dafür kein Super-Experte sein. Auch Fragen zu stellen ist ein wertvoller Beitrag. Wer eine ehrliche Frage stellt, zeigt, dass er sich weiterentwickeln will.

Drei konkrete Schritte für den Einstieg

Wenn du bisher null Community-Engagement betreibst und morgen anfangen willst, hier drei Startpunkte:

1. Melde dich im offiziellen TYPO3-Slack an. Slack ist ein schnelles Medium. Keine dauerhafte Wissensquelle, aber perfekt, um eine Frage zu stellen, Hilfe zu bekommen oder einen kurzen Tipp zu geben. Niedriger Aufwand, schnelle Kontakte.

2. Schau dir mein TYPO3-Forum an. Auf t3forum.net (das ich selbst betreibe) kannst du mitlesen, Fragen stellen und Beiträge leisten. Anders als bei Slack bleiben Inhalte dort dauerhaft verfügbar. Das heißt: Dein Beitrag hilft nicht nur dem Fragesteller, sondern auch allen, die später das gleiche Problem haben.

3. Teste Social Media. Nicht jede Plattform ist für jeden geeignet. LinkedIn ist aktuell in der TYPO3-Szene relativ stark vertreten. Mastodon und Bluesky spielen eine kleinere Rolle. Instagram ist als visuelles Medium in unserer Nische schwierig. Schau einfach, was dir liegt, und probiere es aus.

Bonus-Tipp: In Zoom-Meetings den eigenen Domain-Namen an den Anzeigenamen hängen. So können andere direkt sehen, was du machst.

Und ganz wichtig: Vergiss die Offline-Welt nicht. Usergroup-Treffen gibt es in vielen Regionen, teilweise vor Ort, teilweise online. TYPO3camps sind Events mit niedrigem Einstieg, moderaten Kosten und hohem Networking-Potenzial. Wenn du die Möglichkeit hast, an einem teilzunehmen: Mach es einfach. Reinschnuppern lohnt sich.

Fazit

Community-Engagement ist kein Hobby. Es ist eine Investition in deine Sichtbarkeit, deine Positionierung und dein Netzwerk. Es ersetzt kein fundiertes Fachwissen und keine Zertifizierung. Aber es verstärkt beides.

Du musst dafür keine eigene Community gründen, keinen YouTube-Kanal starten und keine Reden auf Konferenzen halten. Es reicht, dort präsent zu sein, wo deine Branche sich austauscht. Fragen beantworten, Fragen stellen, sichtbar sein.

Der beste Zeitpunkt, damit anzufangen, war vor Jahren. Der zweitbeste ist jetzt.

Wenn du dich mit anderen TYPO3-Selbstständigen regelmäßig über genau solche Themen austauschen willst, schau dir den Business Roundtable an. Das ist eine kleine, fokussierte Community, in der Freelancer und Agenturinhaber aus der TYPO3-Branche offen über ihre Business-Herausforderungen sprechen.

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Hi, ich bin Wolfgang.

Seit 2006 arbeite ich mit TYPO3. Nicht in der Theorie, sondern in echten Projekten mit echten Deadlines. Die Probleme, die du gerade hast, hatte ich wahrscheinlich schon dreimal.

Irgendwann habe ich angefangen, mein Wissen in Videokurse zu packen. Nicht weil ich gerne vor der Kamera stehe, sondern weil ich dieselben Fragen immer wieder gehört habe. Mittlerweile sind es Hunderte Videos geworden. Jedes Einzelne entstand aus einer konkreten Frage aus einem konkreten Projekt.

Was mich von einem YouTube-Tutorial unterscheidet: Ich kenne nicht nur die Lösung, sondern auch den Kontext. Warum etwas so funktioniert. Wann es nicht funktioniert. Und welche Fehler du dir sparen kannst, weil ich sie schon gemacht habe.

Meine Teilnehmer nutzen mich als Sparringspartner. Nicht im Sinne von "ruf mich jederzeit an", sondern so: Du kommst mit einem konkreten Problem in die Live-Session, postest deine Frage in der Community oder schaust dir das passende Video an. Und bekommst eine Antwort, die funktioniert, weil sie aus der Praxis kommt.

Als Mitglied im TYPO3 Education & Certification Committee sorge ich dafür, dass die Zertifizierungsprüfungen auf dem aktuellen Stand bleiben. Was dort geprüft wird, fließt direkt in meine Kurse ein.

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