Goodbye Krankenhaus!

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Heute war mein letzter Arbeitstag im Krankenhaus. Deshalb möchte ich hier im Blog kurz etwas dazu schreiben. Dieser Beitrag ist sehr persönlich und spiegelt meine subjektive Meinung wider. Er hat auch nichts mit Webdesign oder TYPO3 zu tun. Wer sich nicht dafür interessiert, soll einfach nicht weiter lesen. 😉

time to say goodbyeWie manche der Leser hier sicher wissen, habe ich das Webdesign in den letzten Jahren “nur” nebenberuflich ausgeübt. Mein Hauptberuf war Krankenpfleger hier im örtlichen Krankenhaus.

Zum 01.12.2012 ändert sich das jetzt aber. Ich habe meinen Job im Krankenhaus an den Nagel gehängt und widme  mich nur noch dem Webdesign und TYPO3. Und das werde ich im Team von jweiland.net tun. Auch hier nochmal Danke an Jochen Weiland, der mir diese Chance bietet.

Manche werden sich fragen, warum ich diesen Schritt gegangen bin. Wobei die naheliegendste Antwort nicht falsch ist: in der Web-Branche verdient man mehr mit weniger anstrengender Arbeit. Aber das sind nicht die einzigen Gründe.

Ich habe 19 Jahre als Krankenpfleger gearbeitet, und der Job war nicht schlecht. Aber es hat sich in den letzten Jahren einiges verändert, sodass ich inzwischen nicht mehr mit Überzeugung diesen Beruf ausüben kann.

Als ich 1996 mit meiner Ausbildung fertig war, war die Situation in den Krankenhäusern eine ganz andere als heute. Obwohl man auch damals, wie heute, von Personalmangel und Pflegenotstand sprach, muss ich rückblickend sagen, dass die Situation einfacher war als heute. Wir waren definitiv mehr Personal auf den Stationen. So hatte man auch mehr Zeit für die Patienten, man konnte sich sogar die Zeit für Patientengespräche nehmen. Und jeder, der ein klein wenig Ahnung von Psychologie hat, weiß, das Gespräche ein essentieller Bestandteil des Heilungsprozesses sein können. Durch Gespräche kann man helfen, den Patienten zu motivieren, seine Krankheit aktiv zu bekämpfen. Und nur so kann man wirklich gesund werden.

Im Lauf der Jahre hat sich aber vieles geändert.

Zum einen wurden wir immer weniger Personal. Dadurch, dass die Krankenhäuser nach und nach privatisiert wurden, mussten diese “Firmen” auf einmal Gewinn erwirtschaften. Also wurde nach Sparmöglichkeiten gesucht. Und der größte Kostenfaktor ist nun mal das Personal. Also wurden Stellen abgebaut, viele Krankenhäuser mussten sogar schließen, weil sie sich finanziell nicht mehr halten konnten.

Gleichzeitig änderte sich vieles im Umgang mit den Patienten. Durch die Einführung der DRGs wurden die Fälle nur noch pauschal bezahlt. Das bedeutet, für eine Blinddarmentfernung erhält das Krankenhaus Betrag X, für eine Hüftprothese Betrag Y usw.
Gleichzeitig wurde die maximale Verweildauer reduziert. Bei Diagnose X kann ein Patient also Y Tage im Krankenhaus liegen. Bleibt er länger, erhält das Krankenhaus unter Umständen diese Zeit nicht vergütet und macht minus. Das resultierte also in einer Reduzierung der Verweildauer. Die Patienten wurden viel schneller nach Hause entlassen, als es früher der Fall war. So konnten letztendlich im gleichen Zeitraum mehr Patienten behandelt werden.

Wir hatten also zwei Faktoren:
1. weniger Personal
2. mehr Patienten in der gleichen Zeit.

Jeder, der Kopfrechnen kann, sieht das Ergebnis: die Zeit, die man als Schwester/Pfleger für einen einzelnen Patienten hat, wurde immer weniger.

In den letzten Jahren habe ich es so erlebt, das für Gespräche mit Patienten fast nie mehr Zeit war. Das wirkte sich natürlich negativ auf die Zufriedenheit der Patienten aus, denn niemand mag es, einfach abgefertigt zu werden. Und genau das ist viel zu oft der Fall.

Gleichzeitig stieg aber auch die Anspruchshaltung der Patienten. Ich glaube, nicht zuletzt durch Fernsehserien wie “Die Schwarzwaldklinik”, “Schwester Stephanie” & Co. habe viele Menschen ein völlig falsches Bild vom Krankenhausalltag. Wir haben keine Zeit, mit Patienten im Garten spazieren zu gehen. Und Kaffee und Kuchen gibt es bestenfalls auf den Wahlleistungsstationen für Privatpatienten, aber meistens nicht auf den normalen Stationen.

So kam noch ein weiterer Faktor hinzu, der die Gesamtsituation nicht gerade entspannte.

Viele Schwestern und Pfleger halten diesen permanenten Druck nicht auf Dauer aus. Die Fälle von Überarbeitung, neudeutsch auch “Burn out” genannt, sind in diesem Berufszweig sicher recht häufig. Ich persönlich habe in meinen Jahren im Krankenhaus auch einige Kollegen erlebt, die dem Druck nicht mehr standhalten konnten.

Natürlich gibt es nicht nur negatives in dem Job. Die Dankbarkeit, die manche Patienten einem entgegen bringen, weil man Ihnen ein klein wenig hilft, ist sehr schön. Und wenn man einem Patienten wirklich das Leben gerettet hat, was nicht immer nur Ärzte tun, gibt einem das auch ein sehr gutes Gefühl.

Ich persönlich hatte auch das Glück, in meiner Zeit mit sehr netten und kompetenten Kollegen arbeiten zu dürfen. Manche werde ich sicher ein wenig vermissen. Und ein gutes Team ist enorm wichtig und hilfreich, mit den schwierigen Situationen umzugehen, denen man zwangsläufig begegnen wird.

Aber bevor auch ich in die Burn Out-Falle tappe (und ich war knapp davor), ziehe ich für mich einen Schlussstrich. Ich verlasse das Gesundheitswesen und habe ehrlich gesagt nicht vor, jemals wieder dort zu arbeiten.

Mein Abschied erfolgt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wobei die Träne im weinenden Auge sehr, sehr klein ist.

Goodbye, Krankenhaus. Ich werde dich nicht vermissen.

23 Gedanken zu “Goodbye Krankenhaus!”

  1. Viel Erfolg für den neuen Job. Ich hoffe jedoch, du machst weiterhin die Super-Tutorials. Ich bin erst durch eine Tuts so richtig auf den Typo3-Zug umgestiegen und möchte weiterhin einiges lernen (auch Typoscript).

    Alles Gute weiterhin!

  2. Dein Bauchgefühl wird Dich leiten! Viel Erfolg. Eine Wahl zu treffen hat nichts mit Glück zu tun, eher mit Verstand und langen schlaflosen Nächten der Entscheidung. Daher gute Genesung von den Gedankenmarathons, hau rein!

  3. Auch ich wünsche Dir viel Erfolg für die Zukunft und an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für die super Tutorials und einfach auch dafür, dass Du ein guter Lehrer bist.

  4. Durch Zufall bin ich auf die Typo3-Tutorials gestossen und finde sie sehr hilfreich. Danke für die Möglichkeit, auf diese Weise Typo3 kennenzulernen.
    Dir wünsche ich viel Erfolg im neuen Wirkungsfeld. Es ist schade, dass es im Gesundheitswesen (ob Krankenhaus oder Pflegeheim o.ä.) so weit gekommen ist. Ich glaube, es braucht noch einige Zeit, bis die Gesellschaft erkennt, was von den Menschen im Gesundheitswesen verlangt wird.
    Alles Gute Eugen

  5. Hallo WoWa ich kenne deine Tutorials auch erst seit kurzem bin aber komplett begeistert. Als Rettungsdienstler kenne Ich das Problem auf den Stationen auch ziemlich gut.

    Ich wünsche dir alles Gute für deine Webzukunft.

    Manuel aus Bärlin 🙂

  6. Ha, das ist witzig. Meine Laufbahn gestaltet sich fast ein bisschen ähnlich. Nur dass ich erst seit ’99 aus der Ausbildung raus bin und seitdem in einer großen Klinik auf der Intensivstation arbeite.
    Ich (wie vermutlich alle Schwestern) beobachten das gleiche: die DRGs haben viel kaputt gemacht und das Aufkommen an purer körperlicher Anstrengung ist enorm gestiegen, abgesehen von der restlichen Bürokratie und Verantwortung, die stetig steigt. Ich warte auf den Tag, an dem ich meinen Arbeitsvertrag kündigen kann, nicht mehr Besuche und Wochenenden absagen muss, weil ich Dienst habe, nicht mehr mit Eltern trauern muss, die ihre Kinder verloren haben oder Ehefrauen ihre Ehemänner (und umgekehrt). Allerdings geht es für mich dann in die Selbständigkeit – als Fotograf (als Webdesigner habe ich mich tatsächlich auch schon versucht).
    Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich ein bisschen vorsichtig bin, was diesen Schritt angeht. Aber er wird kommen!

    Ich kann das nur zu gut nachvollziehen und sehne diesen Tag ebenso herbei.. 🙂

    Have fun!
    M.

    • Da hast du Recht, die Belastung, sowohl körperlich als auch psychisch, nimmt immer mehr zu. Und oft fragt man sich, warum man sich das für diese lausige Bezahlung überhaupt antut.

      Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg und das du bald deinen Wunschtraum verwirklichen kannst. Du wirst sehen, du wirst dich danach wie ein neuer Mensch fühlen 😉

  7. Hallo Wolfgang,

    nachdem ich hier immer mal wieder sporadisch rein schnuppere, hab ich erst heute mitbekommen, dass Du einen neuen Job hast.
    Hoffe Du konntest Dich gut einfinden und Du bist mit Deiner Entscheidung immer noch zufrieden.

    Was mich interessieren würde ist, ob Du auch die Überlegungen hattest Dich Hauptberuflich selbständig zu machen und was dich dazu bewogen hat, als Angestellter weiter zu machen.
    Ist damit auch die Firma „WoWa Webdesign“ gestorben?

    Falls Du hier nicht öffentlich antworten willst, freue ich mich auch über eine Mail, denn ich bin seit längerem in der Situation, dass ich zwei Jobs mache und inzwischen immer mehr an meine Grenzen komme und über weitere Schritte nachdenke.

    Im Moment plane ich jedoch eher eine Reduzierung der Arbeitszeit in meinem Hauptjob um mehr Zeit für den Aufbau einer Selbständigkeit zu haben.

    • Hi,

      Mein ursprünglicher Plan, den ich vor ca. 3-4 Jahren zu verfolgen begann, sah vor, meine Arbeitszeit im KH immer weiter zu reduzieren und die Zeit in das Nebengewerbe zu investieren. Aber dieses Jahr wurde mir klar, dass es Zeit war, im KH aufzuhören, da mich der Job, im Klartext gesprochen, nur noch angek*** hat. Also habe ich auf gut Glück eine Stelle in der Webbranche gesucht und superschnell auch eine gefunden.

      Mein eigenes Gewerbe ist nicht gestorben, aber ich habe das extrem reduziert. Ich nehme kaum noch neue Aufträge an und kümmere mich eher um Bestandskunden. Und im Moment bin ich zufrieden damit.

  8. Kann ich gut nachvollziehen. Wenn einen der Job jeden Tag nervt, dann muss man sich verändern.
    Außerdem ist Deine Entscheidung keine schlechte.
    In einem Team zu arbeiten hat auch jede Menge Vorteile, da man einfach schnell auf anderes Wissen zugreifen kann und sich so weiterentwickelt.

    So wie Du das schreibst bist Du auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

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